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Tourismus | Romantik am Lech | Begegnungen mit der Vergangenheit

Begegnungen mit der Vergangenheit


'Der Herzog kommt!' riefen sich die Landsberger voll Aufregung zu und rannten den Berg hinauf zum Bayertor. Dort standen schon die Bürgermeister und die Ratsherren in ihrem Amtsgewand. Von der Burg war der Landrichter herüber geritten und die Stadtsoldaten mit ihren Spießen hatten sich aufgestellt. Vom Wehrgang schmetterten die Trompeten, dumpf dröhnten die Trommeln, die Fahnen mit den bayerischen Rauten wurden geschwenkt. Und dann kam er, der Herzog Ernst, der Herr der Stadt, mit seiner schönen, reichen Gemahlin Elisabeth aus dem Haus der Visconti in Mailand und mit seinem prächtigen Gefolge, und grüßte huldvoll seine geliebten Landsberger. So könnte es gewesen sein.

Herzöge, Kurfürsten und schließlich Könige Bayerns kamen durch das Bayertor, wenn sie die westliche Grenzstadt ihres Landes besuchten. Landsberg hatte bis 1803 die Grenze am Lech zu bewachen, deshalb wurde die Stadt von der Zeit der Gründung im späten 13. Jahrhundert an stark befestigt. Zum ältesten Mauerring gehört der Schmalzturm am Hauptplatz. Der große Mauerring aus dem frühen 15. Jahrhundert mit seinen Wehrtürmen umgibt bis heute die Altstadt. Damals - man findet am Turm die Jahreszahl 1425 - wurde das Bayertor errichtet, das schönste gotische Stadttor Oberbayerns. Man wollte den Besuchern die Macht und den Reichtum der Stadt demonstrieren, durch die Höhe und die Unüberwindlichkeit der Toranlage, aber auch durch die aufwändige farbige Gestaltung und die Kreuzigungsszene mit den Herzogswappen darunter, in der Mitte das von Elisabeth Visconti, zu deren Heiratsgut Landsberg gehörte.

Der Reichtum Landsbergs war in ganz Bayern sprichwörtlich: Wer sich in Bayern niederlassen wolle, der solle nach Landsberg gehen, dann falle er in die Silbergrueb, so sagte man Jahrhunderte lang. Der Grund für diesen Reichtum waren die Zölle aus dem Salzhandel und das ertragreiche Textilhandwerk. Heinrich der Löwe, der mächtigste Herzog des Reiches, hatte schon über ein Jahrhundert vor der Gründung der Stadt für die neue Salzstraße in Landsberg eine Brücke und zu ihrem Schutz eine große Burg bauen lassen. An den erträglichen Salzhandel erinnern noch heute die beiden Großen Salzstädel. In ihnen wurde das weiße Gold gelagert.

Der vorbildlich renovierte Färberhof mit den malerischen Arkaden ist ein Denkmal des Textilhandwerks, von dem die meisten Landsberger lebten. Hier färbten und trockneten die Färber die langen Stoffbahnen.

Im 16. Jahrhundert wurde die Händler- und Handwerkerstadt ein geistliches Zentrum von großer Ausstrahlung. Auf der Höhe über der Stadt baute der neue Jesuitenorden sein Noviziat, sein Ausbildungszentrum für die katholisch gebliebenen Gebiete im Süden des Reiches. Die Gebäude des Jesuitenkollegs mit dem schönen Arkadenhof, der Kirche und dem Gymnasium bilden noch heute einen Bereich der Stadt mit einer ganz besonderen Atmosphäre.

Im Gebäude des ehemaligen Gymnasiums, einem eindrucksvollen barocken Bau, ist das Neue Stadtmuseum untergebracht, eine Schatzkammer der Stadtgeschichte und der regionalen Kunst mit vielen bedeutenden Objekten. Dort hängt auch das Porträt eines Landsberger Handwerkersohnes in der Tracht eines chinesischen Mandarins. Von der Kleinstadt in Oberbayern kam Ignaz Kögler als Jesuit nach Peking und wurde dort Leiter der kaiserlichen Sternwarte.

Der aufmerksame Besucher der Stadt findet am Hauptplatz an zwei Stellen eingemauerte Kanonenkugeln. Sie erinnern an die vielen Kriegszeiten, die Landsberg zu erleiden hatte. Der Dreißigjährige Krieg war für Landsberg das Ende der lange Blütezeit: Immer wieder wurde die Stadt belagert, erobert, ausgeraubt und zerstört. Der schwarze Tod, die Pest, dezimierte die Bürgerschaft. Grässliche Folterungen sind überliefert, und die Mädchen und Frauen waren Freiwild für die Soldateska. Aus Verzweiflung sprangen sie aus den Fenstern und in den Lech. Der Name eines Wehrturmes erinnert daran. Er heißt 'Jungfernsprung'. Heute hat man von seiner Plattform aus den schönsten Blick auf die Altstadt.

Es kam wieder eine bessere Zeit. Zeugen dafür sind die vielen Bauten der Barockzeit, das Rathaus mit dem schönen Brunnen davor, die vielen Kirchen im Stil des Barock und des Rokoko.


Das schönste gotische Stadttor Oberbayerns

- das Bayertor


Schmalzturm bei Nacht mit Heilig-Kreuz-Kirche im Hintergrund

 

   
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