Suche   

Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern und Sachsen, ließ um 1160 auf dem Schlossberg eine neue Burg errichten, die 'Landespurch'.


Seit Kaiser Friedrich Barbarossa den Welfen Heinrich im Jahre 1156 auch mit dem bayerischen Herzogtum belehnt hatte, führte dieser den Namenszusatz „der Löwe“. Das Löwenprädikat charakterisierte ihn als starken und mutigen Fürsten im Wechselspiel der Mächte.

Dem Löwen ging es bei seiner Bayern-Politik vor allem um seine wirtschaftlich-fiskalischen Interessen, er erkannte schnell die Bedeutung des Salzhandels im süddeutschen Raum mit den abzuschöpfenden Zöllen. Nachrangig war für ihn ein struktureller Herrschaftsausbau, etwa durch die Gründung von Städten und Märkten. Heinrich der Löwe legte mit Salzstraße, Burg und Lechbrücke aber die grundlegenden wirtschaftlichen Standortfaktoren für die spätere Stadt Landsberg.
Die Salzstraße
 
In den ersten christlichen Jahrhunderten trugen Saumtiere das wertvolle Fernhandelsgut Salz direkt von der Gewinnungsstätte in Reichenhall (im „reichen Hall“) an den Bestimmungsort. Die Säumer konnten jedes ihrer Pferde oder Maultiere mit bis zu 3 Zentnern Gewicht beladen. Fuhrwerke lösten den Saumtransport schließlich ab, Voraussetzung dafür waren jedoch entsprechend befestigte Straßen und Brücken. Der Salzhandel unterlag dem Wegezwang, das heißt, Salz durfte nur auf festgelegten Routen, den Salzstraßen, transportiert werden. Auch Salzach, Inn und Donau transportierten das begehrte Gut.
Die Salzfuhren nach Westen überwanden zunächst bei Föhring die Isar. Seit dem Jahr 903 gehörte der Ort den Bischöfen von Freising, die die Benutzung der Föhringer Brücke einen Zoll erhoben. Heinrich der Löwe soll im Jahr 1158 den Markt und die Zollbrücke des Freisinger Bischofs in Föhring zerstört haben. Nach Forschungen des Münchner Historikers Freimut Scholz ist im so genannten Augsburger Schied von 1158 von einer gewaltsamen Zerstörung der Föhringer Brücke aber nicht die Rede, der in einer Urkunde von 1180 genannte Vorgang hat mit der Gründung Münchens nichts zu tun. Das Marktrecht in Föhring basierte auf Gewohnheitsrecht und war nicht eindeutig beweisbar. In der Augsburger Vereinbarung einigten sich der Bischof von Freising und Herzog Heinrich der Löwe einvernehmlich, dass der bischöfliche Markt, die Zollbrücke und die Münze in Föhring von Kaiser Friedrich I. Barbarossa aufgehoben wurden und die Einnahmen des Münchner Marktes zwischen Herzog und Bischof aufgeteilt wurden.
Die neue Salzstraße Heinrichs des Löwen führte den Handel von Reichenhall, über Wasserburg, München, Landsberg, Memmingen, Ravensburg, an den Bodensee und in die Schweiz, beziehungsweise über Biberach weiter nach Westen. Bis dahin lief der Warenverkehr in Richtung Westen vor allem über die große Salzstraße von Reichenhall über Föhring nach Augsburg. Vermutlich ließ Heinrich einen bereits existierenden Handelsweg über Landsberg für Fuhrwerke ausbauen. Schon vorher durchzog ein Netz schmaler Transportwege (Saumpfade) die Landschaft, und es gab auch in Kaufering schon früh einen Lechübergang bzw. eine Seilfähre oder Brücke. Zu bedenken ist außerdem, dass im Mittelalter Römerstraßen (die zum Teil auf Keltenstraßen basierten) nach Möglichkeit weiter genutzt wurden. Eine Römerstraße führte zwar über Kaufering, aber in nord-südlicher Richtung entlang der Lech-Hochterrasse, und nicht von Osten nach Westen. Bereits seit 1971 wird eine Römerstraße von Gauting nach Kempten über Landsberg vermutet. Durch den Nachweis einer römischen Brücke über die Amper bei Eching am Ammersee im Jahr 1994 und drei nachgewiesene Siedlungen westlich Landsbergs erhärteten sich die Hinweise. Im heutigen Gemeindebereich von Bad Wörishofen trifft diese Straße auf die von Augsburg nach Kempten führende Römerstraße. Zwischen Ammersee und Wertach ist der römische Straßenverlauf mit der späteren Salzstraße München-Memmingen identisch.
Die Burg
 
Um 1160 ließ Herzog Heinrich der Löwe eine neue, größere Burg in der Nähe des Lechübergangs auf dem Schlossberg erbauen. Die Burg trug den Namen Landespurch, eine Burg als Hüterin des Landes. Die kleinere Burg Phetine nahm die neue Burg in sich auf. Als fester Grenzstützpunkt sicherte sie den Handel auf der Salzstraße und die Brücke über den Lech mit den damit verbundenen Zolleinnahmen. Den herrschaftlichen und wirtschaftlichen Hintergrund der Burg bildete die Vogtei, die Heinrich der Löwe 1155 vom Kaiser über die Reichsabtei Wessobrunn zusammen mit Besitzungen am Lechrain als Lehen erhalten hatte. Schon bald siedelten sich Kaufleute und Handwerker am Fuße der Burg in der Nähe der Brücke an. Eine relativ große Kirche an Stelle der heutigen Stadtpfarrkirche diente der Seelsorge. Während München 1158 als ein neuer Markt mit Münzstätte gegründet wurde, fehlen bei Landsberg im 12. Jahrhundert alle auf einen Status als Markt oder Stadt verweisenden urkundlichen Erwähnungen.
Im Jahre 1162 erfolgte eine Gutsschenkung Herzog Heinrichs des Löwen zur Zeit der Erbauung der Burg Phetene - in constructione castri Phetene. Als Zeuge erscheint ein Ödelricus de Phetene (Weissthanner, Trad. Schäftlarn Nr. 164). Das castrum Phetene ist gleichzusetzen mit der Burg Landsberg. In gleichen Jahr hält Heinrich der Löwe einen Gerichtstag mit großem Gefolge in Landsberg ab: „factum hoc judicium in castro suo Landespurch.“ Auf seiner Burg Landsberg richtet der Löwe in Anwesenheit von Graf Berthold von Andechs, Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, dem Burggrafen Heinrich von Regensburg und dem Freiherrn Heinrich von Stoffen über eine Güterstreitigkeit des Klosters Polling (MB 10, 17f.). Im mittelalterlichen Sprachgebrauch kann das Wort castrum (neben forum = Markt und civitas oder oppidum = Stadt) nicht nur Burg, sondern auch einen befestigten Ort bedeuten. 1162/63 übereignet in castro suo Landespurc Herzog Heinrich der Löwe Güter seines ritterlichen Dienstmannes Rodeger von Pforzheim dem Kloster Polling (MB 10, 20).
Die Brücke
 
Bevor Heinrich der Löwe die Brücke errichten ließ, musste man den Lech an einer Furt überqueren. Die Ufergestalt unmittelbar an der Stadt deutet heute noch auf eine Furt hin. Hier flacht sich beiderseits des Flusses eine Ebene bis zum Wasserspiegel ab. Man muss sich einen Zustand vorstellen, bevor das Wehr eingebaut, die Zufahrt zur Brücke aufgeschüttet und das Ufer im Lauf der Zeit korrigiert wurde. Die alte Furt befand sich irgendwo zwischen Pflugfabrik und dem oberen Ende des Englischen Gartens. Die Furt begünstigte die Ansiedlung von Handwerk und Gewerbe: Sattler, Schmied und Wagner übernahmen anfallende Reparaturen an den durchziehenden Fuhrwerken. Oft gab es Hochwasser und ein Durchschreiten der Furt war vorübergehend nicht möglich, es entstand der Bedarf nach einfachen Herbergen und Tavernen in der Nähe. Die Furt an der Straße von Ost nach West und ein einigermaßen erträgliches Landschaftsgefälle waren also günstig für die Entstehung einer Siedlung. Die Landsberger Brücke ist ausdrücklich um 1163/68 das erste Mal erwähnt. Es erfolgte damals eine Güterschenkung zu „Landesperc ultra pontem“ (Landsberg jenseits der Brücke). Zeuge ist u. a. ein Eppo de Landesperg (MB Bd. 10, S. 23). Jahrhunderte lang war die auch für schwere Fuhrwerke geeignete Landsberger Brücke die einzige zwischen Schongau und Augsburg, 30 km flussaufwärts, 40 km flussabwärts. Für kleinere Lasten gab es darüber hinaus Seilfähren, und erst 1843 entstand die Brücke bei Schwabstadel. Die Brücke von Kaufering diente rein örtlichen Zwecken, der Zufahrt zu den überm Lech gelegenen Feldern. Bei Apfeldorf und Mundraching verdrängten erst Anfang des 20. Jahrhunderts Brücken die dortigen Seilfähren. Die Sandauer Brücke in Landsberg wurde erst 1511 erbaut. Sie diente der Verbindung der Stadt zu den Gärten und Wiesen des städtischen Schwaighofes. Alles zollbare Gut musste aber weiterhin über die obere Lechbrücke transportiert werden.
Vom Ende des Löwen
 
Nach steiler Karriere im Reich zeichnete sich bereits 1166 der Sturz des Löwen ab. Heinrich stand immer mehr in Opposition zu Kaiser und Reich, dabei verfolgte er vornehmlich eigene Interessen. 1176 verweigerte Heinrich der Löwe seinem Vetter Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Gefolgschaft nach Italien. Der Kaiser ging auf die schon früher erhobenen Klagen verschiedener Fürsten ein und lud Heinrich 1179 nach Worms wegen Landfriedensbruches vor. Als dieser auch bei der dritten Ladung nicht erschien, wurden gegen ihn die Acht und im Juni 1180 die Oberacht verkündet und ihm die kaiserlichen Lehen, die Herzogtümer Sachsen und Bayern, aberkannt. In Bayern, das er vernachlässigt hatte, rührte sich keine Hand zu seiner Verteidigung. Der bisherige bayerische Pfalzgraf, Otto von Wittelsbach, wurde als Nachfolger Heinrichs mit Bayern belehnt. Heinrich der Löwe übersiedelte mit der gesamten Familie zum Schwiegervater nach England ins Exil. Obwohl Heinrich alle Lehen entzogen bekam, tasteten die Reichsfürsten den großen Allodialbesitz der Welfen in Norddeutschland nicht an. Heinrich der Löwe verstarb 1195 entmachtet in Braunschweig. Sein Enkel, Otto das Kind, wurde 1235 mit dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg belehnt. Damit kehrten die Welfen als Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg in den Reichsfürstenstand zurück.
Landsberg auf dem Weg zum Stadtrecht
 
Nach der Achtserklärung Heinrichs des Löwen 1180 kam Landsberg, welches zur Grafschaft Lechrain gehörte, zurück an die Staufer, danach kam es wohl zu mehreren Besitzerwechseln, vermutlich hatten die Wittelsbacher zunächst wieder ab den 1230er Jahren Verfügungsgewalt über Landsberg. Vor 1246 gelangte die Burg dann wieder an die Staufer, bevor dann 1261 die Ansprüche der Wittelsbacher eindeutig belegt sind: es wird ein herzoglicher Richter genannt: „Berchtoldus judex noster dictus de Chamer (unser Richter Bertold, genannt von Chamer). Damit ist Landsberg als Sitz eines wittelsbachischen Landgerichts ausgewiesen. Spätestens ab 1268 gehörten Landsberg und die ehemals staufischen Besitzungen am Lechrain den Wittelsbachern. Die formelle Stadtgründung erfolgte ca. 1260-1280, eine Ratsverfassung verlieh Ludwig der Bayer der jungen Stadt im Jahre 1315. Vom 14. bis ins 19. Jahrhundert behauptete sich Landsberg als bedeutender Umschlagplatz für Salz. Noch heute zeugt die prächtige Altstadt vom Wohlstand durch das „Weiße Gold“.
Quellen und Literatur im Stadtarchiv Landsberg (Liste auf Anfrage).



Stadtarchiv Landsberg am Lech
Stadtarchivarin
Elke Kiefer
Lechstraße 132 1/2
86899 Landsberg am Lech
Telefon: 08191/128 - 566
Telefax: 08191/128 - 59566
stadtarchiv@landsberg.de
http://www.stadtarchiv-landsberg.de

 

   
VOILA_REP_ID=C1257154:0025DF39