Gang durch die Landsberger Stadtgeschichte

Die unmittelbar am Steilufer des Lechs gelegene Stadt Landsberg liegt im bayerisch-schwäbischen Voralpenland an der geschichtsreichen Romantischen Straße. Ab etwa 3500 v. Chr. wurde das Lechtal besiedelt. Ab etwa 1700 v. Chr. lebten Menschen auf dem Schlossberg, als das Klima der Bronzezeit den Ackerbau begünstigte.

Mitte des 5. Jh. v. Chr. gaben Kelten dem Lech (licca) seinen Namen. Im Jahre 46 n. Chr. ließ Kaiser Claudius die Militär- und Handelsstraße Via Claudia Augusta fertig stellen. Sie führte vom Fernpass über Füssen den Lech entlang bis nach Augsburg. Archäologische Funde, darunter Keramik und Münzen, weisen darauf hin, dass auch die Römer den Schlossberg in Landsberg nutzten.
Germanische Ortsgründungen mit der Endung -ing(en) erschlossen im 5. bis 8. Jahrhundert den Landsberger Raum z. B. Erpfting, Spötting, Pitzling, Pössing. Bis zur Mitte des 6. Jh. brachten die Bajuwaren das Gebiet bis zum östlichen Lechufer unter ihre Herrschaft. Im späten 8. Jh. erhielt der Lech eine eindeutige Grenzfunktion des Herzogtums Baiern. Mitte des 8. Jh. erfolgten zwei Tochtergründungen des Klosters Benediktbeuern nahe Landsberg: Sandau und Seiferstetten (südlich von Pitzling). Die erste Kirche im nachmaligen Stadtgebiet, St. Ulrich in Spötting, wird in einer Urkunde von 969 erwähnt, als der hl. Bischof Ulrich das Gotteshaus an das Augsburger Frauenkloster St. Stephan schenkt.

Die Siedlung Phetine auf späterem Landsberger Stadtgebiet wird 1135 urkundlich zum ersten Mal erwähnt, diese Siedlung besitzt aber kein Stadtrecht. Frühestens ab Frühjahr 1158 ließ Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern und Sachsen, oberhalb von Phetine eine Burg erbauen, die Landespurch oder Landesperch genannt wird; etwa gleichzeitig wird eine Brücke bei Landsberg erwähnt. Die Burg, im Jahr 1162 zum ersten Mal schriftlich erwähnt, ist zugleich Vogtburg des Klosters Wessobrunn und dient sowohl der Sicherung der Grenze zum Hochstift Augsburg als auch dem Schutz der Brücke über den Lech, über die eine Handelsstraße führt. Von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung war der Salztransport auf der Salzstraße von Reichenhall/Salzburg über München, Landsberg, Memmingen in die Schweiz. Bis zum 13. Jahrhundert umfasste die Siedlung den Hauptplatz innerhalb der ältesten Stadtmauer, erweitert im 14. Jahrhundert um Klösterl/Seelberg sowie Spitalquartier/Alte Bergstraße und im 14./15. Jahrhundert das Gebiet vor der Salzgasse. Die Stadtrechtsverleihung erfolgte etwa zwischen 1260 und 1280. Nach 1279/84 bzw. 1291 wird Landsberg zum ersten Male urkundlich als Stadt (civitas) erwähnt, die wittelsbachisch ist.

Im Krieg zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen wurde Landsberg 1315 niedergebrannt. Wegen ihrer wichtigen strategischen Lage unterstützte der Herzog den Wiederaufbau der Stadt durch die Gewährung von Einnahmen und durch Verleihung des Münchner Stadtrechtes. 1320 verlieh Ludwig der Bayer der Stadt das Recht, Salzzölle zu erheben. 1349 gab Markgraf Ludwig der Brandenburger der Stadt die Erlaubnis zur Errichtung des Heilig-Geist-Spitals (heute Altenheim). 1353 erlaubte der Landesherr den ersten Salzstadel zu bauen, dort wurde Salz zum Verkauf angeboten. Insgesamt entstanden bis ins 17. Jh. drei Salzstadel. Die wohlhabende 'Silbergrueb' Landsberg entwickelte sich auch zum Umschlagplatz für Getreide und Holz (Flößerei auf dem Lech). Neben vielen anderen Handwerkszweigen entstand eine bedeutende Tuchproduktion.
1424 verfasste Stadtschreiber und Notar Peter Kaufringer das Rechtsbuch der Stadt Landsberg mit gesammelten Rechtssätzen, Rechten und Freiheiten seit 1315. Das Buch wurde bis ins 17. Jahrhundert fortgeführt. Die Stadtrechtssammlung enthält auch eine Abschrift des Oberbayerischen Landrechtes Ludwigs des Bayern von 1346.

Die wirtschaftliche Entwicklung ließ die Zahl der Einwohner wachsen und damit den Flächenbedarf. Ab ca. 1415 bis ca. 1435 wurde deshalb ein großer neuer Stadtmauerring gebaut und damit das Gebiet im Norden und Osten erheblich erweitert. Das Mühlbachquartier westlich der Altstadt wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts befestigt. Das Bayertor ist neues Stadttor auf der Ostseite und Einlass für die Salzhandelsroute. Die wirtschaftliche Blüte des Spätmittelalters ermöglichte der stolzen Bürgerschaft 1458-1488 den Bau der prächtigen Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau (Mariä Himmelfahrt).
Als Grenzstadt geriet Landsberg in der Reformation in das Spannungsfeld zwischen dem streng katholischen Herzogtum Bayern und der sich dem Protestantismus öffnenden Städte Augsburg, Memmingen, Mindelheim und Kaufbeuren. Auch in Landsberg gab es eine starke protestantische Bewegung. Auf Veranlassung des Herzogs Albrecht V. wurde 1556 in Landsberg der Landsberger Bund gegründet. Ein Zusammenschluss katholischer Länder und Städte (Bayern, Ober- und Vorderösterreich, Reichsstadt Nürnberg, Salzburg, den Hochstiften Augsburg, Bamberg und Würzburg, später auch Kurmainz und Kurtrier) der sicherheitspolitischen Rückhalt gegen protestantische Reichsstände bot. Auch die Gründung des Jesuitenkollegs in Landsberg 1576 erfolgte mit Zustimmung des Landesherrn im Kampf gegen die Reformation.

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1618 ließ Herzog Maximilian in Erwartung von Kampfhandlungen die Stadt schwer befestigen. Während des Dreißigjährigen Krieges erlebte Landsberg einen schweren wirtschaftlichen Niedergang durch Pestepidemien, Hungersnöte, Truppendurchzüge, Plünderungen und Verlust der Salzniederlagerechte an den Herzog. 1633 ließ der schwedische General Torstenson seine Soldaten in Landsberg morden und plündern. 1634 zählte Landsberg noch 200 Einwohner. Während des Spätmittelalters hatten etwa 4.000 Menschen in der Stadt gelebt.

1699 Neubau des Rathauses am Hauptplatz. Von 1716-1719 war der Stuckator Dominikus Zimmermann an den Um- und Ausbauarbeiten beteiligt.

1789 errichteten Landsberger Bürger für den Gedanken der Gleichheit den Ständestein im neuen Englischen Garten am Lech. Die Franzosenkriege 1792-1815 ließen die Stadt durch Einquartierungen und Plünderungen durchziehender Truppen völlig verarmen.
1801 lebten in Landsberg ca. 700 Einwohner. 1802 hob der Reichsdeputationshauptschluss die geistlichen Fürstentümer und die Reichsstädte auf. Das Hochstift Augsburg kam zu Bayern. Landsberg verlor seine Grenzfunktion, die militärische Bedeutung erlosch. Das Kloster Wessobrunn wurde aufgelöst. Das Präsentationsrecht für die Landsberger Pfarrer ging deshalb auf die königliche Regierung über. Die Stadt Landsberg übt bis heute das Nominationsrecht (Vorschlagsrecht) für die katholischen Pfarrer der Stadtpfarreien aus. Auch in Landsberg wurde die Erhebung Bayerns zum Königreich 1806 mit einem Gottesdienst und einer Festveranstaltung gefeiert.

1825 lebten in Landsberg ca. 2.500 Einwohner.

1878 verlegte der Magistrat das Heilig-Geist-Spital in die Maltesergebäude, das alte Spitalgebäude an der Schlossergasse war 1874 abgebrannt. Errichtung der Knabenschule (heute Grundschule am Spitalplatz). Bau des Stadttheaters, die Landsberger Theatertradition reicht jedoch bis ins 17. Jahrhundert zurück. Eröffnung der Realschule im ehemaligen Jesuitengymnasium (heute Neues Stadtmuseum).
1884-1888 ließ der Künstler Sir Hubert von Herkomer den Wohn- und Ateliersturm bauen, den er zu Ehren seiner Mutter 'Mutterturm' nannte. Otto Ritter von Kühlmann (1834-1915), Rechtsberater der bayerischen Ostbahnen, Mitglied des bayerischen Landtages, Förderer des Bahnanschlusses Landsbergs, als Generaldirektor Vollender der transbalkanischen Eisenbahn Wien-Konstantinopel, Organisator der Anatolischen Eisenbahn Konstantinopel-Ankara bzw. Konya, erhielt 1889 die Ehrenbürgerwürde.

1900 betrug die Bevölkerungszahl 5.977 (davon 540 Militär). 1903-1904 Erbauung der kgl. Präparandenschule an der Pössinger Straße (Lehrerbildungsanstalt; heute Grundschule). 1904-1905 Neubau der Mädchenschule an der Hubert-von-Herkomer-Straße (heute Sing- und Musikschule). 1905 Errichtung des Realschulpensionats auf dem Schlossberg (heute Hauptschule). 1905-1908 Neubau der Justizvollzugsanstalt, Erstbelegung mit ca. 500 Häftlingen.

1918-1919 Bildung von revolutionären Arbeiter- und Soldatenräten sowie Bürger- und Bauernräten. Nach Ausrufung der Münchner Räterepublik am 7. April 1919 bildete sich das Freikorps Landsberg mit dem Ziel, die Rätebewegung niederzuschlagen. 1921 wurde Landsberg Garnisonsstadt der Reichswehr.

Nach dem Putschversuch 1923 wurde Adolf Hitler am 11. November ins Gefängnis Landsberg eingeliefert. Am 1. April 1924 wurde Hitler in München zu 5 Jahren Festungshaft verurteilt, jedoch begnadigt und am 20. Dezember 1924 entlassen. Während der Haft schrieb er den ersten Teil von “Mein Kampf”. Lady Maggie von Herkomer errichtete 1929 die rechtsfähige Hubert-von-Herkomer-Stiftung und überließ ihr das Herkomer-Anwesen mit Mutterturm und Grundstück. Die Stadt übereignete der Stiftung ihre Herkomersammlung. Das Herkomermuseum ist bis heute Eigentum der Stiftung. Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 erreichte die NSDAP in der Stadt Landsberg 44,9 %, die bürgerlich-konservative BVP 29,4 %, die SPD 13,2% der Stimmen. Der 1. rechtskundige Bürgermeister Dr. Ottmar Baur (BVP) wurde zum Rücktritt gezwungen. Auf der Grundlage des Ergebnisses der Reichstagswahl wurde der Stadtrat umgebildet, nach Auflösung von SPD und BVP bestand er ausschließlich aus Nationalsozialisten. Die nunmehr “Ratsherren” genannten Stadträte verfügten nur über beratende und nicht mehr beschließende Funktion. Der neue 1. rechtskundige Bürgermeister Dr. Ernst Schmidhuber, Notarassistent aus Bad Aibling, war ausführendes Organ der zentralen Politik der NSDAP und bekundete zum Amtsantritt, er werde sein Amt „ausschließlich als Nationalsozialist führen“.

In den Jahren 1937-1940 verfolgte die DAG (Dynamit-Actien-Gesellschaft das Projekt einer Munitionsfabrik im Frauenwald (Iglinger Straße, heute Gewerbepark). Dort sollte Nitrozellulose produzieren werden, ein Zwischenprodukt zur Herstellung von Sprengstoff. Grundstückseigentümer wurden zu Gunsten der Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie enteignet. Baubeginn unter Einsatz von Zwangsarbeitern war etwa März 1939. Die Anlage wurde nicht fertig gestellt.

Die Landsberger jüdischen Familien Fischel, Schleßinger, Weimann, Westheimer und Willstätter wurden in den Jahren 1938-1940 von der Stadt so lange schikaniert, bis sie auswanderten.

Für das Rüstungsprojekt Ringeltaube sollten 1944-1945 unter Einsatz von KZ-Häftlingen unterirdische Bunker zur Produktion des Düsenjägers Me 262 gebaut werden. Im Frühjahr 1945 arbeiteten auf den Baustellen insgesamt über 20.000 Menschen. In den KZ-Lagern um Landsberg und Kaufering fielen dem NS-Wahn insgesamt etwa 14.500 Häftlinge zum Opfer (s. a. Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Landsberg). Die US-Army besetzte am 27. und 28. April 1945 Landsberg. Da die Stadt im Gegensatz etwa zum Fliegerhorst Penzing kein Kriegsziel der Alliierten war, wurde sie während des 2. Weltkrieges nicht bombardiert. Durch den mutigen Einsatz des Kampfkommandanten Major Wilhelm Iacob wurde Landsberg kaum verteidigt, so dass sich die Anzahl der Toten und die materiellen Schäden während der Einnahme durch die US-Army in Grenzen hielten. In der Saarburg-Kaserne richtete sie Anfang Mai ein Auffanglager (Displaced Persons Camp) ein, das bis 1950 insgesamt ca. 23.000 verschleppte Personen aufnahm. Im Landsberger 'War Criminal Prison No. 1' wurden ab Ende 1945 Urteile der Dachauer Kriegsverbrecherprozesse vollstreckt.
1950 lebten in Landsberg 1.593 Vertriebene und Flüchtlinge. 1956 wurde Landsberg wieder Garnison und entwickelte sich mit ca. 6.000 Soldaten zu einem der größten Bundeswehrstandorte. In den Jahrzehnten nach dem Krieg wuchs die Bevölkerungszahl stetig an, ein großes Industriegebiet ermöglichte die Ansiedlung vieler neuer Betriebe, die Stadt breitete sich weiter aus. 1972 wurden Reisch und Pitzling, im Jahre 1978 Erpfting mit Ellighofen eingemeindet.

Seit den 70er Jahren erhalten und erneuern viele Sanierungs- und Baumaßnahmen das Erscheinungsbild des bedeutenden Altstadtensembles. Die Bundeswehr räumte 1993-1994 die Ritter-von-Leeb- und die Saarburg-Kaserne, auf diesen Flächen entstanden Wohngebiete. Im Jahr 2003 bezog die Stadtverwaltung das zentrale Verwaltungsgebäude an der Karolinenbrücke mit der neuen Serviceeinrichtung Bürgerbüro.

Nach Umbau bezog die Sparkasse Landsberg-Dießen im Jahr 2004 das Gebäude der ehemaligen Stadtverwaltung am Hauptplatz 1. 2005 wurde der Landsberger Bahnhof als erster privat finanzierter Kleinstadt-Bahnhof Deutschlands eröffnet. 2006: Eröffnung der neu gebauten Ausflugsgaststätte Teufelsküche im Stadtteil Pitzling. 2007: Deutschlands größter Kreisverkehr mit 330 Metern Durchmesser wurde im Landsberger Kreisverkehr bei der A 96 für den Verkehr freigegeben. Eröffnung SeniorenWohnen am Englischen Garten. 2012 feierte die Stadt das 850jährige Jubiläum der Ersterwähnung der Burg Landsberg.

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Stand: 12/11/2017
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