Vor 75 Jahren: Militärregierung in Landsberg am Lech

Unmittelbar nach Besetzung der Stadt am 28. April 1945 setzen die Amerikaner eine Militärregierung in Landsberg ein. Die Militärbehörden haben sich an die strengen Bestimmungen der Direktive JCS 1067 zu halten. Die Direktive stellt das wichtigste Dokument der Kollektivschuldthese dar: das deutsche Volk ist verantwortlich für den Krieg, die Leiden der Opfer und die Zerstörung der deutschen Wirtschaft. Deutschland ist nicht befreit worden, sondern als besiegter Feindstaat besetzt („occupied as a defeated enemy nation“), um die Absichten der Alliierten durchzusetzen. „Fraternization“ zwischen US-Soldaten und Deutschen ist streng verboten. Das Militärpersonal soll hart, aber gerecht, und distanziert sein („just but firm and aloof”). Hauptziele sind, Nazismus und Militarismus für immer auszuschalten, Kriegsverbrecher zu verhaften, die Entmilitarisierung voranzutreiben.

Später soll das politische Leben auf demokratischer Grundlage neu entstehen. Führende Nationalsozialisten sind aus dem öffentlichen Leben und leitenden Positionen der Geschäftsbetriebe zu entfernen. Die Wirtschaft dient in erster Linie der Versorgung der Besatzungstruppen und der Bewohner des DP-Lagers. Beschlagnahmungen sind an der Tagesordnung. Die deutsche Bevölkerung soll nur das unbedingt Notwendige erhalten. Zunächst gilt es, die vielen Opfer der Konzentrationslager zu beerdigen, die Überlebenden unterzubringen und zu versorgen. Dank der relativ geringen Kriegsschäden in der Stadt gelingt es rasch, die Infrastruktur wiederherzustellen.

Das Stadtarchiv sammelt neben dem Schriftgut aus der Stadtverwaltung auch Literatur über Landsberg und Zeugnisse aus der Geschichte Landsbergs aus privater Hand. Bitte melden Sie sich bei uns, wenn Sie uns Briefe, Fotos oder andere Unterlagen mit Landsberger Bezug überlassen möchten.