Vor 75 Jahren: Vorläufiger Arbeitsausschuss in Landsberg am Lech

Am 4. Mai 1945 tritt der vorläufige Arbeitsausschuss der Stadt zum ersten Mal zusammen, um die anstehenden Aufgaben in enger Abstimmung mit der Militärregierung zu erledigen. Die Mitglieder verstehen sich als Vertreter der „Arbeiterschaft, der Wirtschaft und der christlichen Bürgerschaft“. Sie tragen in der Öffentlichkeit Armbinden als äußeres Zeichen und sind zuständig für Arbeitsvermittlung, Verkehrswesen, Unterstützung des Stadtbauamtes, Handwerk, Einzelhandel und Landwirtschaft. Der NS-Bürgermeister Dr. Karl Linn bleibt zunächst im Amt und wird zusätzlich zum Landrat ernannt. Nachdem die Amerikaner Linn Anfang August dann doch verhaften und im Lager Moosburg internieren, setzen sie Hans Pfannenstiel als Bürgermeister ein. Auch der Arbeitsausschuss wird am 3. August neu zusammengesetzt, weil der alte sich - entgegen der Empfehlung Pfannenstiels - geweigert hat, die Entlassung Linns zu akzeptieren.

Die Aufgaben des Arbeitsausschusses definiert Pfannenstiel wie folgt:

1. Entlassung der politischen Gefangenen aus der Strafanstalt. Es handelt sich um Opfer des Nazi-Regimes.

2. Sicherung der Ernährung, Beschaffung von Brennholz.

3. Personalfrage: Viele städtische Beschäftigte mit Nazi-Vergangenheit müssen auf Befehl der Militärregierung entlassen werden und sind schwer zu ersetzen.

4. Das DP-Lager mit bis zu 8.000 Menschen, die versorgt werden müssen.

5. Beschlagnahme von Wohnraum und Einrichtungsgegenständen.

6. Geldwesen: Am Anfang müssen für die Durchführung der Maßnahmen täglich bis zu 10.000 Mark von der Stadt ausgegeben werden, wobei es keine Einnahmen gibt.

Nach der Gemeindewahl im Januar 1946 löst der neue Stadtrat den vorläufigen Arbeitsausschuss ab.

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