16.04.2018: Erinnerungstafel von Irving Heymont

Am vergangenen Mittwoch wurde die von dem amerikanischen Offizier Irving Heymont gestiftete Gedenktafel, die an das Lager für Displaced Persons erinnert, in der Irving-Heymont-Straße wieder aufgestellt. Die Tafel befindet sich nun auf dem Areal des ehemaligen Lagers und wird somit dem Erinnerungsgedanken gerecht.
Ursprünglich wurde die Erinnerungstafel am 10. September 1989 am Eingang der damaligen Saarburgkaserne feierlich aufgestellt. Der damalige Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle begrüßte Gäste aus Israel und den USA sowie Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinden, der bayerischen Staatsregierung, der Bundeswehr und der Stadt Landsberg am Lech. Auch der Stifter der Tafel, der 71jährige Irving Heymont, war aus den USA angereist.
Nach der Auflösung der Saarburgkaserne im Jahr 1993 wurde die Mauer entfernt und die Gedenktafel musste abgehängt werden. An der Grundschule in der Katharinenvorstadt fand sie zwar einen neuen Platz, wurde dort aber kaum wahrgenommen.
Altoberbürgermeister Franz Xaver Rößle regte an, die Erinnerungstafel an der Irving-Heymont-Straße auf dem Areal des ehemaligen DP-Lagers wieder aufzustellen.


Über Irving Heymont:
Am 19. September 1945 übernahm der damals erst 27jährige Colonel Irving Heymont das Kommando über das Lager für Displaced Persons in Landsberg am Lech.
Displaced Persons waren Überlebende der Konzentrations-, Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager.
Nach der Befreiung Landsbergs am 28. April 1945 war für die US-Armee in kurzer Zeit ein großes Problem zu lösen: Tausende Überlebende aus den Konzentrationslagern im Raum Landsberg am Lech und Kaufering mussten eine Unterkunft haben, Lebensmittel bekommen und ärztlich versorgt werden.
Schon bald war in der Saarburgkaserne und in umliegenden beschlagnahmten Häusern ein Auffanglager für bis zu 7.000 Menschen eingerichtet worden. Heymont organisierte ab September 1945 eine weitgehende Selbstverwaltung im Lager mit Unterstützung durch die US-Army.
Der Stacheldraht um das Lager wurde entfernt, die hygienischen Verhältnisse verbessert. Zentrale Speisesäle und Küchen versorgten nun die Bewohner. Das DP-Lager Landsberg war eines der größten seiner Art. In fünf Jahren durchliefen insgesamt etwa 23.000 Displaced Persons das Lager.
Hier entstanden Berufs-, Bildungs- und Kultureinrichtungen, wo sich die Menschen auf ein normales Leben vorbereiteten. Es gab auch viele kulturelle Veranstaltungen, so musizierte zum Beispiel im Jahr 1948 Leonard Bernstein mit dem Lagerorchester.
Das Verhältnis zur Landsberger Bevölkerung blieb aber bis zur Schließung des Lagers im Jahr 1950 angespannt und war – vor allem durch die Beschlagnahme von Wohnraum für die DPs - von vielen Konflikten geprägt.
Nach der Übernahme des Lagers durch eine Hilfsorganisation der Vereinten Nationen im Dezember 1945 wurde Heymont mehrfach versetzt und schließlich Chef der Atomwaffen-Abteilung im Hauptquartier der US-Streitkräfte in Heidelberg. 1981 ging er in Ruhestand.
In den 1980er Jahren besuchte Irving Heymont mehrmals Landsberg am Lech. Er starb im Jahr 2004.
Das Amerikanisch-Jüdische Archiv in Cincinnati, USA, veröffentlichte im Jahr 1982 Briefe, die Irving Heymont aus Landsberg an seine Frau geschrieben hatte, in der Originalsprache Englisch.
Kurt Stürmer und Peter N. Schmitz gaben dann im Jahr 1989 die Briefe auf Deutsch heraus und machten diese beeindruckenden Zeugnisse der Landsberger Zeitgeschichte auch hier bekannt.