"Amerika" im neuen Herbst/Wintersemester an der vhs

Das studium generale der Volkshochschule Landsberg am Lech beschäftigt sich jedes Semester mit einem anderen Schwerpunktthema, das aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven beleuchtet wird.

Im aktuellen Herbst-/Wintersemester steht „Amerika“ im Fokus vieler unterschiedlicher Veranstaltungen und Vorträge, die jeweils einen anderen Aspekt des Kontinents genauer betrachten.

"Wie soll man Trump verstehen, wenn man Amerika nicht kennt?" schrieb Kulturmanager Max Hollein in der "Welt " im Oktober 2017. Inzwischen, ein Jahr später, gibt das Verhalten des US-Präsidenten noch mehr Rätsel auf und löst Befremden auch bei jenen aus, die den USA bisher wohlgesonnen waren. Das Semesterthema "Amerika" ist deshalb ein Angebot an alle Interessierten, die sich ihr eigenes Bild von Amerika machen wollen, ein Bild jenseits von Klischees und Populismus, ein Bild, das Amerika nicht reflexhaft gleichsetzt mit den USA, ein Bild, das weder idealisiert, noch dämonisiert.

Die Veranstaltungen können auch einzeln gebucht werden.

Anmelden kann man sich online über www.vhs-landsberg.de, telefonisch unter 08191 128-111 oder persönlich in der vhs Geschäftsstelle, Hubert-von-Herkomer-Str. 110, 86899 Landsberg am Lech.

Montag, 08.10.2018 von 19.00 – 20.30 Uhr, Vortrag und Diskussion:

„Donald Trump und die (Un) Vereinigten Staaten von Amerika“

Ort: VHS-Gebäude, Rosarium, Raum E0, Rosarium

Referent: Dr. Andreas Etges

„E PLURIBUS UNUM“ – aus vielen eins zu machen – so verkündet es das Siegel des Präsidenten der USA. Momentan sind die Vereinigten Staaten politisch und kulturell gespalten wie nur selten in ihrer Geschichte, was auch an der Politik von Präsident Trump liegt. Der Vortrag analysiert die tiefer liegenden Gründe dafür und diskutiert, ob auch in Bezug auf die amerikanische Außenpolitik ein tiefgreifender Wandel zu beobachten ist, der das transatlantische Verhältnis dauerhaft beschädigt. Referent ist Dr. Andreas Etges, Historiker am Amerika-Institut der Ludwig-Maximilans-Universität München. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte der transatlantischen Beziehungen, Wirtschaftsnationalismus sowie die Geschichte der Diplomatie.

Montag, 22.10.2018, 18.00-20.00 Uhr, Vortrag und Diskussion:

„Rauchende Colts: Waffen in den USA zwischen Mythos und Verfassung“

Ort: VHS-Gebäude, Raum E0, Rosarium

Leitung: Joachim Giesen

Nach jedem Amoklauf mit vielen Toten wird in den USA der Ruf nach Einschränkung des Waffenbesitzes laut. Alle Präsidenten sind daran gescheitert. Nach den letzten Mordanschlägen gibt es landesweite Anti-Waffen-Demonstrationen junger Menschen. Ob sie Erfolg haben? Oder wird der Protest wieder verpuffen? Und waren Amerikaner schon immer auf Waffen fixiert? Alle Amerikaner? Welche sind immun? Welcher Mythos umgibt Waffen in den USA und wie ist er entstanden? Neben diesen Fragen geht es im Vortrag und der anschließenden Diskussion auch um geltende Waffengesetze sowohl in den Gesamt-USA als auch in den Einzelstaaten.

Im Mittelpunkt der Tätigkeit von Referenten Joachim Giesen stehen ergebnissicheres Coaching und Seminare zu beruflichen Konflikten und Benachteiligungen sowie Manipulationsabwehr. Nach dem Studium der Rechte (Schwerpunkte Menschenrechte, Grundrechte, Verfassung, soziale Auswirkungen des Rechts und der Rechtsgeschichte) sowie ausgewählter Methodik der Wirtschafts- und Verhaltenspsychologie, erwarb er langjährige Berufspraxis in Verkauf, Werbung und Personal und ist seit 1988 selbstständig mit entsprechender Berufserfahrung (Unternehmen, Verbände, Jugendarbeit).

Montag, 19.11.2018, 19.00-20.30 Uhr, Vortrag und Diskussion:

„Lateinamerika: Indianische Zivilisationen jenseits der Klischees“

Ort: VHS-Gebäude, Raum E0, Rosarium

Leitung: Urs M. Fiechtner

Das Bild, das Europäer von den indianischen Kulturen Nord-, Mittel- und Südamerikas haben, ist geprägt von den Klischees, die Europäer sich selbst gemacht haben: von den blutgierigen Heiden aus den Berichten eines Cortez oder Pizarro, den hilflosen Opfern aus den Schriften von Bartolomé de las Casas, dem "edlen Wilden" von Rousseau, den Phantasiegestalten von Karl May bis hin zu zählebigen, touristisch-musealen Ausstellungthemen wie dem „Gold der Inkas“. Das eigentliche Thema, nämlich die Entstehung von organisierten und hoch entwickelten Gesellschaften in der vollständigen Isolation von Asien und Europa - und dabei dennoch mit gewissen Parallelen - geht dabei unter. Ein Überblick über indianische Zivilisation, Philosophie und Kultur. Der Referent ist Schriftsteller, Dozent und Menschenrechtsexperte bei Amnesty International.

Urs M. Fiechtner arbeitet als freiberuflicher Schriftsteller, Übersetzer, Herausgeber, Jugendbuchautor und Dozent in der Erwachsenenbildung. Fiechtner publiziert seit Mitte der 1970er-Jahre Prosa, Lyrik und Sachtexte – darunter auch Jugendbücher – und wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Fiechtner arbeitet häufig mit Autoren und Musikern aus Lateinamerika und Afrika zusammen. Viele seiner Bücher behandeln Themen rund um die Menschenrechte, mit denen er sich nicht nur als Autor beschäftigt, sondern auch als Mitarbeiter von Menschenrechtsorganisationen oder Berater von Menschenrechtsprojekten. Bei Amnesty International ist er seit 1970 in verschiedenen Funktionen und kennt das Innenleben der Organisation wie wenig andere. Er ist als herausragender Vorleser bekannt und gilt bei Erwachsenen wie bei Jugendlichen als äußerst kenntnisreicher, dabei anregender und humorvoller Gesprächspartner, der auch komplexe Themen anschaulich vermitteln kann.

Montag, 03.12.2018, 19.00-20.30 Uhr, Vortrag:

„Die Amerikaner in Landsberg: Johnny Cashs Stationierungszeit von 1951-54“

Ort: VHS-Gebäude, Raum E0, Rosarium

Leitung: Sonia Fischer

Durch Songs wie „Ring of Fire“ oder „I Walk the Line”, ist Johnny Cash als Musiker unvergessen. Dass Cash drei Jahre in Landsberg am Lech lebte, bevor er seine Musikkarriere begann, ist indes nicht jedem bekannt. Von 1951 bis 1954 war er auf der Landsberg Air Base stationiert. Sein Lebensweg steht stellvertretend für hunderttausende von jungen amerikanischen Männern, die sich wie er zur US-Armee verpflichteten, über Bremerhaven nach Deutschland eingeschifft wurden und in Westdeutschland meist für drei Jahre Dienst taten. Der Vortrag befasst sich mit Cashs Dienstzeit und der amerikanischen Präsenz vor Ort in der Nachkriegszeit.

Sonia Fischer ist Museumsleiterin in Landsberg am Lech seit 2010. Die in Bonn und Grenoble ausgebildete Historikerin kuratierte die Dauerausstellung im Herkomer Museum sowie zahlreiche Ausstellungen zur Regional- und Stadtgeschichte. Die 2015 im Stadtmuseum gezeigte Ausstellung „Don’t Take Your Guns to Town. Johnny Cash und die Amerikaner in Landsberg 1951-1954“ wandert im Herbst 2018 ins Amerikahaus nach München.

Montag, 17.12.2018, 19.00-20.30 Uhr, Vortrag:

„Amerikanische Kunst im 20. Jahrhundert“

Ort: VHS-Gebäude, Raum E0, Rosarium

Leitung: Urte Ehlers

Die USA nach dem 2. Weltkrieg emanzipierten sich nicht nur politisch und sprachlich als Weltmacht und Vorreiter. Dieses neue Selbstbewusstsein spiegelt sich ebenso in der Kunst und führte zu einer Ablösung von den bisher als prägend empfundenen Exilkünstlern aus Europa. Künstler wie Pollock und Warhol wurden geradezu als Stars gehandelt. Der Vortrag beleuchtet, in welcher Form und warum die amerikanische Nachkriegskunst entscheidend an Einfluss gewann und inwiefern sie die gesellschaftlichen Entwicklungen in den USA reflektierte.

Urte Ehlers ist Kunsthistorikerin mit Studium der Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft und Italianistik in München. Seit 1999 ist sie in der Kunstvermittlung in München tätig, u. a. als Kunstvermittlerin für Sprachschüler des Goetheinstituts sowie Kunstpädagogin an den Pinakotheken in München, am Künstlerhaus in Marktoberdorf und am Neuen Stadtmuseum in Landsberg am Lech. Seit 2009 ist sie Dozentin des studium generale an der vhs Landsberg am Lech und an der vhs Unterallgäu.

Sonntag, 06.01.2019, 15.00-16.30 Uhr, Führung:

„Fokus amerikanische Kunst - Führung in der Pinakothek der Moderne und im Museum Brandhorst“

Ort: München, Treffpunkt: Pinakothek der Moderne, Informationstresen

Leitung: Urte Ehlers

Nach dem zweiten Weltkrieg rückten die USA zum ersten Mal an die erste Stelle internationaler Kunstentwicklung. Angeregt durch die Einflüsse europäischer Exilanten und die dadurch globalisierte Avantgardebewegung, bemühten sich zunehmend auch europäische Museen um das Sammeln amerikanischer Kunst. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen waren hierbei Vorreiter, zusammen mit einigen privaten Sammlern wie Ludwig und Brandhorst in Köln. Durch die Pinakothek der Moderne und den Bau des Museum Brandhorst in München, besitzen wir deshalb in unmittelbarer Nähe herausragende Beispiele amerikanischer Kunstentwicklung, unter anderem mit jeweils über 170 Werken die größte Warhol und Twombly Sammlung außerhalb der USA; hinter vorgehaltener Hand wird sogar behauptet, weltweit. Abhängig von der aktuellen Hängung werden die ausgestellten Werke innerhalb der Führung in einen Kontext gebracht.

Die Führung ist als Ergänzung zum Vortrag „Amerikanische Kunst im 20. Jahrhundert“ gedacht, die Teilnahme am Vortrag ist aber keine Voraussetzung für die Teilnahme an der Führung. Der Eintrittspreis in Höhe von 1,00 EUR ist nicht in der Kursgebühr enthalten. Achtung: Diese Führung findet am Sonntagnachmittag statt!

 

Montag, 07.1.2019, 19.00-20.30 Uhr, Vortrag und Diskussion:

„Lateinamerika und die Epoche der Militärdiktaturen“

Ort: VHS-Gebäude, Raum E0, Rosarium

Leitung: Urs M. Fiechtner

Wie lange und wie intensiv das Erbe von Diktaturen nachwirken kann, zeigt sich heute in fast allen Ländern Lateinamerikas. Die historische Epoche der Militärs von 1966-1990 wirft lange Schatten und ist daher alles andere als eben „nur Geschichte“. In sehr vielen Ländern sorgt der meist nicht geklärte Umgang mit Opfern und Tätern nach wie vor für Konflikte, in Afrika und Teilen Asiens gibt es immer noch und immer wieder offene und versteckte Militärdiktaturen. Der Vortrag analysiert, wie Militärdiktaturen entstehen und welche Rolle das Militär bis heute in der Politik sehr vieler Länder spielt.

Montag, 21.01.2019, 19.00-20.30 Uhr, Vortrag und Diskussion:

„Pacific Rim: Ein Wettbewerb der Erzählungen“

Ort: VHS-Gebäude, Raum E0, Rosarium

Leitung: Dr. Susanne Wegener

Die nordamerikanische Pazifikküste wird auf beiden Seiten der kanadisch-amerikanischen Grenze gerne Pacific Rim genannt. Europäer verbinden mit diesem Begriff vor allem einen düsteren Hollywood-Science-Fiction-Film, der 2013 unter dem gleichnamigen Titel in die Kinos kam. Doch hinter der Idee vom "pazifischen Rand" verbergen sich ganz reale Hoffnungen und Ängste, die sowohl in den USA als auch in Kanada seit den 1990er Jahren einen regelrechten Wettbewerb fiktionaler Erzählungen ausgelöst haben. Dabei lohnt es sich, einen Blick auf die Interessen hinter den Erzählungen zu werfen: während Politik und Wirtschaft seit jeher überaus optimistische Zukunftsszenarien der Region entwerfen, projizieren vor allem literarische Texte von Migranten eine sehr düstere Vision der nahen Zukunft an Nordamerikas Pazifikküste. Der Vortrag zeigt am Beispiel ausgewählter Textpassagen wie der öffentliche Raum zunehmend zur Bühne für einen Wettbewerb fiktionaler Erzählungen wird.

Dr. Susanne Wegener hat Amerikanistik studiert und arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Paris-Lodron-Universität Salzburg. Ihre Forschungsschwerpunkte waren Fiktionalitätstheorie und politische Philosophie. Sie promovierte über „Risk and Speculation in Millennial Fictions of the North American Pacific Rim“ und arbeitet seit 2016 an der vhs Landsberg am Lech. Als Fachbereichsleiterin betreut und organisiert sie unter anderem das studium generale.