Keine kleine Clique

Interessante Buchvorstellung und Führung durch die Ausstellung „Attentat auf Hitler. Stauffenberg und mehr“
„Nur eine‚ganz kleine Clique‘?“ lautet der Titel einer umfangreichen Untersuchung, die die Historikerin und Autorin Linda von Keyserlingk-Rehbein am Montag im Historischen Rathaus vorstellte. Vor rund 50 interessierten Zuhörern erläuterte sie das umfangreiche Netzwerk des deutschen Widerstands und machte deutlich, dass es sich bei dem Kreis um Graf Schenk von Stauffenberg eben um keine „kleine Clique“ gehandelt hatte. Detailliert stellt Linda von Keyserlingk-Rehbein die komplexe Struktur des Netzwerks rund um die 19 bekannten Protagonisten vor. Ihre Analysen zeigen den eklatanten Widerspruch zwischen der tatsächlich vorhandenen Kenntnis der Verfolger über das große und komplexe zivil-militärische Netzwerk des Umsturzversuchs und der von der NS-Propaganda unermüdlich wiederholten Behauptung, es habe sich nur um eine vornehmlich militärische „kleine Clique“ mit reaktionären Zielen gehandelt. Vielmehr handelte es sich bei den Hauptakteuren nicht nur um hohe Militärs, sondern ebenso um Zivilisten oder Reserveoffiziere. Detailliert stellt Linda von Keyserlingk-Rehbein die komplexe Struktur des Netzwerks rund um die 19 bekannten Protagonisten vor. Die von der Autorin ebenfalls ausgewerteten zeitgenössischen Briefe und Tagebücher verdeutlichen darüber hinaus das geschickte Agieren der Verschwörer vor und nach dem Umsturzversuch und offenbaren zudem die Fehlerhaftigkeit der NS-Quellen.
Linda von Keyserlingk-Rehbein ist Kuratorin und Leiterin der Dokumentensammlung am Militärhistorischen Museum in Dresden. Sie hat sowohl Sonderausstellungen zum 20. Juli 1944 kuratiert als auch den entsprechenden Bereich in der neuen Dauerausstellung des Militärhistorischen Museums konzipiert. Seit vielen Jahren publiziert sie zu den Themen Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Methoden der Historischen Netzwerkanalyse.
Linda von Keyserlingk-Rehbein führte auch durch die von ihr kuratierte Ausstellung „Attentat auf Hitler. Stauffenberg und mehr“ des Militärhistorischen Museums Dresden, die das Kulturbüro der Stadt Landsberg am Lech derzeit im Foyer des Historischen Rathauses zeigt. Diese erinnert an die Vorgeschichte dieses Ereignisses und stellt einen Teil jener Protagonisten vor, die gemeinsam mit Stauffenberg im Widerstand aktiv waren und die zum Teil bereits 1938/39 an konkreten Umsturzplänen arbeiteten. Deutlich wird dabei vor allem die Vielfalt der Personen und ihrer Funktionen im Widerstand, die für eine Umsturzvorbereitung unabdingbar waren.
Die Ausstellung ist noch bis zum 11. September in der Rathausgalerie im Foyer des Historischen Rathauses zu sehen.