Nachnutzung des Heilig-Geist-Spitals

„Es ist ein Ergebnis, wie man es sich besser nicht wünschen kann“, erklärte Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl, nachdem der Stadtrat einstimmig über die Nachnutzung der seit Jahren leerstehenden Räumlichkeiten im Heilig-Geist-Spital entschieden hatte.

Diese sollen ihrem Vorschlag zufolge zukünftig 20 Wohnungen beherbergen. Bezahlbar und damit vor allem dem ursprünglichen Stiftungszweck folgend.

„Ich bin sehr froh“, so Baumgartl, „dass wir eine ideale Kombination gefunden haben, die ebenso sozialverträglich wie nachhaltig ist.“ Gerade in Zeiten immer knapper werdenden Wohnraums, steigender Kosten und Mieten, sei es wichtig, offen für kreative Lösungen zu sein.

Das Heilig-Geist-Spital gehört der Heilig-Geist-Spital-Stiftung, eine der ältesten Bürgerstiftungen Landsbergs und ist damit etwas ganz Besonderes.
Im Jahre 1349 erfasste Landsberg eine furchtbare Pestepidemie. In diesem Jahr wurde mit Spenden von Bürgern und einer Zuwendung von Herzog Ludwig des Brandenburgers mit dem Bau des ursprünglichen Heilig-Geist-Spitals in der Schlossergasse begonnen.
In der dazugehörigen Urkunde zur Gründung der Heilig-Geist-Spital Stiftung steht, dass Arme und Elende (Heimatlose) beherbergt und gespeist werden sollen. Später wurden dann Bedürftige, ebenso wie „Pfründner“ (begüterte Bürger, die sich zur Versorgung im Alter einkauften) aufgenommen.
Über die Jahrhunderte hat das Heilig-Geist-Spital eine wechselvolle Geschichte durchlebt – seit Auszug des Pflegeheims 2018 steht das Gebäude weitgehend leer. Es ist natürlich denkmalgeschützt.

Bekanntermaßen ist ein Leerstand von Gebäuden der Gebäudesubstanz nicht zuträglich. Gerade die historisch besonders wertvolle Gebäudesubstanz des Heilig-Geist-Spitals leidet darunter.

Ideen und Überlegungen, wie das Heilig-Geist-Spital künftig genutzt werden soll, gibt es bereits seit 2016: Damals wurde ein Konzept zur Nachnutzung für VHS, Museum, Büroflächen, Tafel und Wohnungen vorgelegt. Es scheiterte jedoch letztlich an der fehlenden Finanzierung. Die anvisierte Städtebauförderung kam nicht zustande.

Die Verwaltung prüfte weiterhin intensiv, wie für die Landsbergerinnen und Landsberger eine Nachnutzung erreicht werden kann, die zum einen dem Stiftungszweck entspricht und zum anderen für die Stiftung finanzierbar ist.

Dringend benötigt wird in Landsberg im Moment bezahlbarer Wohnraum für sozial Schwächere und für Menschen im Alter.

Hier bietet sich das kommunale Wohnraumförderprogramm (KommWFP) in Bayern an. Dieses Förderprogramm hat das Ziel, preisgünstigen Wohnraum für sozial schwächere Einkommensgruppen zu schaffen. Erste Berechnungen der Kämmerei haben ergeben, dass bei einer Förderung über das KommWFP eine Miete von ca. 8 €/m² anvisiert werden kann und ca. 20 neue Wohnungen entstehen können.

Was passiert mit den Räumen, die nicht als Wohnungen in Frage kommen? Nicht geeignet für eine Wohnnutzung sind der Prälatengang sowie die direkt daran angrenzenden Räume.
Die Finanzierung müsste grundsätzlich durch die Stiftung als Eigentümerin des Gebäudes erfolgen. Nach ersten Einschätzungen könnten Büroräume (für die Stadtverwaltung) bzw. Räume für kulturelle Nutzungen (Räume entlang des Prälatengangs), Ausstellungsflächen (Prälatengang) sowie Räume für den Seniorenbeirat und die Seniorenarbeit im Erdgeschoss des Ostflügels geschaffen werden.

In ersten Gesprächen mit der Förderbehörde war erkennbar, dass auch die Regierung von Oberbayern das Projekt als etwas Besonderes ansieht. Da die Förderung über den Bodenrichtwert erfolgt, wäre insgesamt eine Fördersumme im zweistelligen Millionenbereich möglich.

Bürgermeister Felix Bredschneijder sah vor allem den Stiftungszweck erfüllt, denn so wörtlich: „die Armen und Elenden von heute sind die Wohnungssuchenden“. Den zeitlich äußerst sportlichen Rahmen sprach Bürgermeister Moritz Hartmann an: „…wir müssen diesen aber unbedingt einhalten, um die Förderung zu sichern.“

Zum Abschluss bedankte sich Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl ausdrücklich bei den Stadträtinnen und Stadträten, dass sie ihrem Vorschlag gefolgt sind. Sie verbindet mit dieser Entscheidung die Hoffnung, dass dieses Projekt so schnell wie möglich gemeinsam umgesetzt wird.