Stadt prüft Straßennamen mit Bezug zur NS-Zeit

Der Umgang mit Straßennamen in Landsberg am Lech mit Bezug zur NS-Zeit war Thema der jüngsten Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses. Seit vielen Jahren setzen sich bundesweit viele deutsche Städte mit aus heutiger Sicht historisch belasteten Straßennamen auseinander.


Ausgangspunkt war die Empfehlung des Deutschen Städtetags, der zufolge Kommunen eindeutige Entscheidungsgrundlagen schaffen sollten. In der Handreichung zur Aufstellung eines Kriterienkataloges zur Straßenbenennung vom März 2021 heißt es: „Straßennamen stellen über Jahrhunderte hinweg ein „kollektives Gedächtnis“ dar. Sie sind Teil der Erinnerungskultur. Die Straßenbenennung spiegelt stets die aktuellen Verhältnisse, die Weltanschauung und Kultur bis hin zu den Herrschaftsverhältnissen der entsprechenden Zeit wieder. Historische Personen, Orte und Ereignisse werden zu unterschiedlichen Zeiten verschieden bewertet, im Speziellen unterliegt die Straßenbenennung nach Personen einem Wandel.“


Auch in Landsberg am Lech gibt es einige Straßennamen mit Bezug zur NS-Zeit, die im Fokus einer veränderten Wertediskussion stehen. Die Stadträte beschlossen, eine Expertenkommission einzurichten, die damit beauftragt wird, diese Straßennamen kritisch, ergebnisoffenen und wissenschaftlich differenziert zu betrachten.


Der Kommission werden neben Mitarbeitenden der Verwaltung und Angehörigen der Stadtratsfraktionen Stadtheimatpfleger PD. Dr. Stefan Paulus sowie zwei externe Berater angehören: Prof. Dr. Jens Christian Wagner, Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Wagners Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte des Nationalsozialismus, insbesondere der Zwangsarbeit und der Konzentrationslager sowie die Geschichtspolitik nach 1945. Prof. Dr. Peter Fleischmann war Leiter der Staatsarchive Augsburg, München und Nürnberg. 2015 wurde er zum außerplanmäßigen Professor an den Lehrstuhl für bayerische und fränkische Landesgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bestellt.
Es ist Fleischmann zu verdanken, dass die schriftliche Überlieferung zur Schutz-, Untersuchungs- und Festungshaft Hitlers, die jahrzehntelang als verschollen galt, nach ihrem Auftauchen auf dem Kunstmarkt 2010 in das Verzeichnis national wertvoller Archivalien zum Schutz deutschen Kulturguts eingetragen wurde und für das Staatsarchiv München gesichert werden konnte.