studium generale der Volkshochschule Landsberg am Lech

Volkshochschule Landsberg am Lech:
Unter dem Titel „Stadt im Fluss“ befasst sich das studium generale im Frühjahrssemester mit der Stadt als Lebensraum

Das studium generale der Volkshochschule Landsberg am Lech beschäftigt sich jedes Semester mit einem anderen Schwerpunktthema, das aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird.
Im aktuellen Frühjahrssemester steht das Leben in der Stadt im Fokus vieler unterschiedlicher Veranstaltungen und Vorträge, die jeweils einen anderen Aspekt genauer betrachten.
Schon immer erhofften sich die Menschen vom Leben in der Stadt mehr Chancen, mehr Geld und ein besseres Leben. Auch heute hat sich daran nichts geändert. Aber erfüllen Städte für alle die Hoffnung auf ein buntes, lebendiges und zufriedenes Leben im Wohlstand?

Mit acht Veranstaltungen in verschiedenen Formaten lädt die Volkshochschule Landsberg am Lech alle Interessierten ein, gemeinsam mit ausgewiesenen Experten über die Stadt als Lebensraum nachzudenken.

Anmelden kann man sich online über www.vhs-landsberg.de, telefonisch unter 08191 128-111 oder persönlich in der vhs Geschäftsstelle, Hubert-von-Herkomer-Str. 110, 86899 Landsberg am Lech.

Montag, 11.3.2019, 19.00-20.30 Uhr, Vortrag und Diskussion: Stadtutopien I: Stadt und Vision.
Ort: VHS-Gebäude, Rosarium
Referentin: Catherine Koletzko

Seit Menschen sich niederlassen, ob temporär oder dauerhaft, geht es auch immer um Fragen: der Zweckmäßigkeit, der Ordnung, der Struktur, der Symbolik, der Macht. Jede Art von Siedlung bildet das Selbstverständnis einer Gruppe von Menschen, einer „Gesellschaft“ ab. Wie in vielen anderen Bereichen des menschlichen Denkens geht es auch hier um die Suche nach der universell verbindlichen Wahrheit. „Stadtutopien“ erzählt von Visionen und ihrer Umsetzung in gelebte Realität und auch davon, wie Utopien bis heute unsere Städte prägen. Referentin Catherine Koletzko ist Architektin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Wegen der Kunst- und Kulturvermittlung. Als Co-Autorin ist sie maßgeblich an der Konzeption und Gestaltung von „Stadt im Fluss“ beteiligt.

Montag, 18.03.2019, 19.00-22:00 Uhr, Vortrag, Film und Diskussion in Kooperation mit dem Filmforum Landsberg
Stadt neu denken: 100 Jahre Bauhaus
Ort: Stadttheater, Schlossergasse 381
Referent: Roger Mandl


Vor 100 Jahren rief der Berliner Architekt Walter Gropius die Kunstschule "Bauhaus" ins Leben, die zu einer der wichtigsten und einflussreichsten künstlerischen Bewegungen der Geschichte werden sollte. Ihr Einfluss breitete sich bald auch weit über die Grenzen von Deutschland hinaus aus. Die Idee einer idealen Verbindung von Kunst, Architektur und Handwerk sollte nicht nur unser tägliches Leben, sondern auch die Gesellschaft an sich verbessern und revolutionieren. Noch heute begegnen uns Ikonen aus dieser Schule auf Schritt und Tritt. Der Abend ist dem 100-jährigen Jubiläum des Bauhauses gewidmet. Von 19:00 Uhr bis19:45 Uhr hören wir einen Vortrag der Architekten und Vorsitzenden des Wessobrunner Kreises Roger Mandl. Anschließend zeigt das Filmforum Landsberg ab 20:00 Uhr noch einmal den
großartigen Film "Vom Bauen der Zukunft - 100 Jahre Bauhaus" (2018), der viel mehr erzählt als eine Geschichte des Bauens. Danach ist Gelegenheit über den Film zu diskutieren.

Montag, 25.3.2019, 19.00-20.30 Uhr, Vortrag und Film
Stadtutopien II: Stadt und Natur.
Ort: VHS-Gebäude, Rosarium
Referenten: Meret Hoffmann und Carolina Liedl


Lange war die Trennung scharf: Stadt war der Ort dicht gedrängter Bebauung, beengten Wohnens, miserabler hygienischer Zustände. Natur war außerhalb, Wald, Wiesen Felder. Ab dem Barock entstanden Parkanlagen außerhalb der Städte, in der „gezähmten“Variante des französischen oder der naturnahen Gestaltung des englischen Gartens - Parkanlagen, die allerdings privilegierten Schichten vorbehalten waren. Seit Ende des 18. Jahrhunderts nimmt städtisches Grün an Bedeutung zu: als Erholungsfläche, zur Luft- und Klimaverbesserung. Inzwischen wird Stadt zum urbanen Biotop und zum Garanten für eine Artenvielfalt in Flora und Fauna, die auf dem Land zunehmend von einer „industrialisierten“ Landwirtschaft verdrängt wird. „Urban Gardening“ und „vertikale Gärten“ sind Trends in der aktuellen Debatte über „Stadt und Natur“. Die Referentinnen, beide Jahrgang 1990, studierten Kunst und Architektur an der Akademie der bildenden Künste München. Sie arbeiten im Bereich Architektur und (Kommunikations-)Design und beschäftigen sich intensiv und künstlerisch mit Fragen des Städtebaus.

Montag, 8.4.2019, 19.00-21.30 Uhr, Workshop
Stadtutopien III: Stadt und Lebensort.
Ort: VHS-Gebäude. Rosarium
Leitung: Carolina Liedl, Catherine Koletzko, Meret Hoffmann


Jeder von uns hat einen Lebensort. Manche Orte wählen wir, an andere „verschlägt“ es uns.
An unseren Lebensorten gibt es Dinge, die wir mögen und andere, die uns stören. Immer befindet sich dieser Ort in einem räumlichen Zusammenhang, ist Einöde, Dorf, eine kleine Stadt, eine Metropole. In diesem Workshop untersuchen wir, wie unser Lebensort wurde, was er ist, und beschäftigen uns, jeder wie er kann und mag, bauend, mit bildnerischen Mitteln oder schreibend, mit unseren individuellen Stadtutopien. Die drei Referentinnen sind Architektinnen und beschäftigen sich intensiv mit unterschiedlichen Wegen der Kunst- und Kulturvermittlung.

Montag, 6.5.2019, 19.00-21.30 Uhr, Vortrag und Film in Kooperation mit dem Filmforum
Stadtutopien IV: Stadt und Maßstab
Referentin: Meret Hoffmann
Ort: Stadttheater, Schlossergasse 381


"Urban zu leben hat etwas damit zu tun, dass man damit umgehen kann, vollkommen fremden Menschen zu begegnen." (Jan Gehl) An diesem Abend stellen wir zwei leidenschaftliche Plädoyers für eine offenere, näher an den Menschen und ihren Bedürfnissen orientierte Stadtplanung vor: Wir beginnen mit einem Vortrag über "Die offene Stadt", das kürzlich erschienene Buch des Soziologen Richard Sennett. Anschließend zeigt das Filmforum mit "The Human Scale" (2012) einen Dokumentarfilm über den dänischen Stararchitekten Jan Gehl, seine Kritik an der Stadtplanung des 20 Jahrhunderts und seine Vision für eine Stadt von morgen. Referentin Meret Hoffmann, Jahrgang 1990, studierte Kunst und Architektur in München und setzt sich künstlerisch und experimentell mit dem Thema Stadt und Stadtentwicklung auseinander.

Montag, 20.5.2019, 19.00-20.30 Uhr, Vortrag
Stadt in der Fremde: Das Flüchtlingslager als Stadt
Referent: Prof. Dr. Magnus Treiber
Ort: VHS-Gebäude, Rosarium


Flüchtlingslager sind natürlich keine Städte, wie wir sie kennen. Wie der französische Ethnologe Michel Agier gezeigt hat, tragen sie aber durchaus Merkmale des Städtischen. Flüchtlingslager sind gleichermaßen formell geordnet und informell ausgestaltet. Sie hegen ihre Bewohner ein und sind doch immer auch durchlässig. Aus Provisorien bilden sich permanente Siedlungen mit eigenen Jobs und Ökonomien. Mitunter wachsen ganze Generationen in einem Lager heran, ohne es, wie anfänglich erhofft, bald wieder verlassen zu können. Und doch ist der räumlich oft abgeschiedene Ort des Lagers in Region und Welt eingebettet, nationale Behörden und internationale Agenturen verwalten das Lager mehr oder minder engagiert und binden es an ein globales Migrationsregime. Am Beispiel der Flüchtlingslager im Norden Äthiopiens, die seit 2000 zumeist eritreische Staatsbürger aufgenommen haben, werden Strukturen und Merkmale des Flüchtlingslagers stadtethnologisch betrachtet.
Referent Magnus Treiber ist Professor am Institut für Ethnologie der LMU München. Für sein Buch „Migration aus Eritrea. Wege, Stationen, informelles Handeln“ (Reimer-Verlag 2017) unternahm er u.a. Feldforschung in Äthiopien und im Sudan.

 

Montag, 3.6.2019, 19.00-20.30 Uhr, Vortrag
Stadt und Philosophie: Die Geburt der Philosophie aus dem Geist der Polis
Referent: Franz Keimig
Ort: VHS-Gebäude, Raum E0, Rosarium


Zwischen dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. entstand in einigen Städten an der kleinasiatischen Küste eine neue Art, sich denkend den Phänomenen der Welterkenntnis zu nähern und damit die eigene Vernunft zum Maßstab dieses Erkennens zu machen: die Philosophie. Ein entscheidender Faktor scheint hierbei die Organisation der Stadt zu sein. Wie waren die Grundbedingungen und unter welchen Voraussetzungen war dieser Wandel möglich, der gemeinhin als Übergang "vom Mythos zum Logos" bezeichnet wird? Referent Franz Keimig studierte Philosophie in Marburg, München und Brighton und lebt als freier Philosoph in Landsberg direkt am Lech.

 

Montag, 8.7.2019, 19.30-21.00 Uhr, Vortrag und Diskussion
Alte Stadt - Neue Stadt
Referentin: Katrin Crone
Ort: VHS-Gebäude, Raum E0, Rosarium


In Städten von einst kann man lustvoll wandeln – in heutigen nur schlafen. Alte Städte haben einfach Atmosphäre und sind auf vielen Ebenen stimmig: Ihre Straßen und Plätze scheinen mit der Landschaft verwoben, in die sie eingebettet sind, die Maßstäbe ihrer Bauten entsprechen ihrer Bedeutung, die baulichen Details ihren Nutzungen und Materialien und Oberflächen erzählen Geschichte. In der heutigen Zeit haben viele Bauten nur noch selten Flair. Vielleicht bauen wir deshalb Schlösser, Stadtteile und Gebäude neu auf wie einst, jedoch ohne ihren ursprünglichen Sinn. Der Vortrag beleuchtet, warum wir Sehnsucht nach den alten Qualitäten haben. Referentin Katrin Crone hat in Dresden, Wien und München Architektur studiert und in namhaften Büros an öffentlichen Architektur- und Städtebauprojekten mitgewirkt. Seit 2006 verbindet sie Architektur in einem ganzheitlichen Arbeitsansatz und entwickelt Gestaltungskonzepte für Räume der Alltagswelt.