Tierschutz: Erste Gäste am Landsberger Taubenhaus

Es gurrt bereits rund um das vor zwei Monaten errichtete Taubenhaus am Lechwehr.
Auf den ersten Blick sieht man das graue Holzhäuschen kaum, das geschützt in Mitten von Bäumen zwischen Lechwehr und Saint Laurent du Var Promenade steht. Es handelt sich dabei um ein Taubenhaus, das bald die Heimat für einen Schwarm Landsberger Stadttauben werden soll.


Mit dem Taubenhaus möchte die Stadt zum einen einen Beitrag für den Tierschutz leisten, zum anderen auch auf eine tiergerechte Art den Bestand der Stadttauben regulieren.


In der Landsberger Altstadt leben geschätzt 300 Tauben in verschiedenen Schwärmen. Bei den Stadttauben handelt es sich um Nachkommen entflogener Haus-, Brief- oder auch Hochzeitstauben. Sie haben keinen natürlichen Lebensraum und sind auf Fütterung durch Menschen angewiesen. Sie können sich nicht an Jahreszeiten anpassen und verdursten oder erfrieren häufig im Winter. Anders als Wildtauben brüten sie aufgrund des gezüchteten Brutzwangs bis zu sieben Mal im Jahr, und zwar unabhängig von der Jahreszeit. Sie brüten jedoch weniger oft im Jahr, wenn sie gesund sind und ihren Bestand nicht in Gefahr sehen.


Stadttauben haben sich mittlerweile hauptsächlich in den Innenstädten angesiedelt. Hier finden sie Wasser und Nahrung – meist von Menschen hinterlassene Lebensmittelreste. Zum Problem wird die große Zahl der Tauben, wenn sie an Gebäuden, in Hinterhöfen oder Terrassen nisten. Der Kot verunreinigt die Gebäude nicht nur, sondern kann sie auch beschädigen. Für Altstadtbewohner ist der Schmutz auf Balkonen und Terrassen alles andere als angenehm. Die vermeintliche Lösung der Vergrämung durch Spikes, welche verhindern sollen, dass sich die Tauben niederlassen, führen nicht zum Rückgang der Taubenpopulation. Denn Tauben sind nicht nur partner- sondern auch standorttreu.


Auf Initiative des Landsberger Jugendbeirates wurde nach einer effektiven Maßnahme zur artgerechten Regulierung der Tauben gesucht. Tierschutzverbände schlagen betreute Taubenschläge nach dem Augsburger Modell vor. Dort werden Tauben durch Futter an den Schlag gebunden, Eier durch Kunststoff- oder Gipseier getauscht, so dass keine Tauben mehr nachkommen. Ebenfalls sehr vorteilhaft: Die Tauben verbringen bis zu 80 Prozent im Schlag, so dass auch der Kot dort verbleibt und entsorgt werden kann. Der Taubenkot verändert sich durch artgerechtes Futter zu einem festen braunen Kot wie bei anderen Tieren auch. Dadurch verschwindet der grün-weißliche, flüssige sogenannte "Hungerkot". Diesen Effekt erhofft man sich auch von dem Landsberger Taubenhaus. Der Stadtrat entschied sich als Standort für das Taubenhaus für den Uferbereich am Lechwehr. Errichtet wurde das Haus auf städtischen Grund vom Bauhof.


Die Tauben werden aktuell von zwei ehrenamtlich Betreuenden versorgt. Wie gehen die beiden vor, um die Tauben von der anderen Seite des Lechs anzulocken? „Wir locken die Tauben über das sogenannte Anfüttern auf die andere Seite des Lechs“, erzählt eine der Betreuenden, die anonym bleiben möchten. Das sei mühsam und zeitaufwändig. Täglich werde der Taubenschwarm in der Früh um die gleiche Uhrzeit gefüttert. „Oft warten die Tauben bereits an der Futterstelle auf uns.“ Bislang brüte zwar im Haus noch kein Paar, aber „Federn im Inneres des Hauses zeigen uns, dass die Tauben schon hier drinnen waren.“
Bis wann die Tauben in das Haus ziehen und dort brüten, ist kaum verlässlich vorherzusagen. Das kann durchaus mehrere Monate dauern. Fakt ist, dass im Haus ca. 80 Nistplätze für die Vögel zur Verfügung stehen.
Die Betreuenden kümmern sich auch um kranke und verletzte Tiere. „Zu den häufigsten Verletzungen gehören sogenannte Verschnürungen. Dabei wickeln sich Haare und Teile von Kleidung um die Füße und Krallen und verstümmeln diese.“

Gut zu wissen: Das Gebäude wurde so gebaut, dass keine Ratten hineinkommen können. Bekanntlich sind auch diese Tiere am Lechufer zu finden. Damit diese durch das Taubenfutter nicht verstärkt angelockt werden, füttern die Betreuenden die Tauben vormittags. „Im Normalfall fressen die Tauben alle Körner auf,“ erklären die Tierfreunde. Dann blieben keine Reste für die eher nachtaktiven Ratten.

Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl dankte dem Team der Betreuenden sehr herzlich „Sie leisten einen wichtigen Beitrag für das Tierwohl, aber auch für die Bewohnerinnen und Bewohner der Innenstadt.“ Sie hofft, dass die Tauben den Schlag bald annehmen und sich ihre Anzahl in der Altstadt reduzieren wird.