Übergabe von Schulheften - Erdkunde im Dritten Reich

Die Schulhefte von Alfred Willstätter erzählen vom Unterricht im Dritten Reich: Erdkunde, Naturkunde und Geschichte hat der jüdische Junge bei seinem Lehrer Anton Micheler gelernt. Viele Einträge sind gespickt mit Zeichnungen, etwa zur heimischen Vogelwelt, zur Geologie des Frankenlandes, dem Mainverlauf, dem Lech, Bauernmalerei oder Klimaphänomenen wie dem Föhn. Ebenso finden sich im Heft aber auch Leitsprüche der NS-Ideologie, die der Elfjährige sorgsam in sein Heft eintrug. Die sehr gute Beurteilung seines Lehrers vom 8. Spetember 1937, also ein Jahr bevor er mit seinem Bruder in die USA emigrieren konnte, belegen, dass der Lehrer seinen jüdischen Schüler nicht durch schlechte Noten benachteiligte, was zu dieser Zeit bei Kollegen gang und gäbe war.

Franz Xaver Rößle übergab nach dem Willen Al Willstätters die zeitgeschichtlich spannenden Quellen dem Neuen Stadtmuseum. Zuletzt waren die Schulhefte zur Ausstellung „Unerwünscht“ im November 2018 im Historischen Rathaus zu sehen. Den Alt-Oberbürgermeister verbindet eine langjährige Freundschaft mit der in den Vereinigten Staaten lebenden Familie Willstätter und er möchte mit der Übergabe auch noch einmal auf den Sammlungsaufruf des Neuen Stadtmuseums aufmerksam machen.

Das Neue Stadtmuseum sucht weiterhin Gegenstände, die Geschichten über Landsberg am Lech in der NS-Zeit oder der Nachkriegszeit erzählen können. Bislang sind ganz unterschiedliche Dinge im Museum eingetroffen, die spannende Geschichten über ihre Besitzer erzählen können. So z.B. eine Mohnmühle, die Sudetendeutsche auf ihrer Flucht mit nach Landsberg am Lech brachten, oder ein „Henkelmann“, der die Geschichte eines Landsbergers erzählt, der aus polnischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist.