Waldbegang des Stadtrates unter dem Thema „Klimawandel“

Der Waldbegang des Stadtrates der Stadt Landsberg am Lech stand in diesem Jahr ganz im Zeichen des Klimawandels. Denn dieser ist im Forst bereits angekommen und ist an vielen Merkmalen nachweisbar. Den Stadträten wurde das geplante EU-Life-Projekt „Zukunftswald“ vorgestellt, an dem der städtische Forst, einige umliegenden Gemeinden sowie voraussichtlich der Landkreis Landsberg am Lech in Kürze teilnehmen werden. Ziel des Projektes soll sein, Modelllandkreis für den klimagerechten Umbau des kommunalen Waldes zu werden, dabei die CO²-Bindung der Wälder zu erhöhen und mit den Ergebnissen eine Handlungsanweisung zu verfassen, die aufzeigt, auf welchen Böden mit welchen Baumarten dem Klimawandel bestmöglich begegnet werden kann. Vor über 20 Jahren wurde im Bereich der Stadt Landsberg am Lech damit begonnen, die Bodenbeschaffenheit des Waldes in Form einer Standortkartierung aufzunehmen. Diese Ergebnisse nahm bereits Dr. Gerhard Gaudlitz, Vorgänger des Forstamtsleiter Michael Siller zum Anlass, die Fichtenbestände kontinuierlich mit geeigneten Baumarten zu durchmischen. Obwohl diese Jahre für Wälder nur einen kurzen Zeitraum darstellt, sind schon deutliche Verbesserungen in der Bodenqualität feststellbar. Damit verbessert sich auch messbar das Microklima in diesen Bereichen. Allerdings benötigt man für einen solchen Umbau Zeit. Zeit, die der Projektbegleiter Ludwig Pertl bereits als sehr knapp ansieht, in Anbetracht der stark steigenden Durchschnittstemperaturen nicht zuletzt auch in den Landsberger Wäldern. Mit steigenden Temperaturen ändern sich die Voraussetzungen für einige Baumarten massiv. Für die Fichte wird ein gutes Wachstum immer schwieriger, andere Baumarten, wie z.B. die Esche werden in ein paar Jahren möglicherweise gar nicht mehr in unseren Breiten zu finden sein, so seine Prognose.


Bei der Besprechung der Betriebsergebnisse im Betriebsgelände im Lechpark machte Forstamtsleiter Michael Siller daher auch deutlich, dass die Sturmereignisse der letzten Jahre, vor allem Niklas in 2015 und die in den Jahren darauf folgende Borkenkäfermassenvermehrung das Betriebsergebnis maßgeblich negativ beeinflussen. Wenn sich der Stadtrat entscheidet, den Weg zu beschreiten, den städtischen Forst weiterhin klimagerecht anzupassen, wird sich an dieser Situation für einige Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte nicht viel ändern. Man würde über lange Zeit mit Baumarten auf den Markt kommen, die zumindest aktuell wenig nachgefragt sind und beim Verkauf nur niedrigere Preise erzielen. Stadtkämmerer und Abteilungsleiter für den Forst Peter Jung ging auf die Ein- und Ausgabensituation beim Forst ein. Er zeigte die Schwierigkeiten auf, in der aktuellen Situation mehr Erträge als Aufwendungen zu erwirtschaften. Im Stiftungswald war das in der Vergangenheit meist möglich, im Stadtgebiet ist dies vor allem in Hinblick auf die zusätzlichen Aufgaben, wie die Baumpflege im Stadtgebiet sowie das das stark frequentierte Naherholungsgebiet Lechpark Pössinger Au noch nie. Ein Umdenken im Sinne des Klimawandels erfordere auch ein Umdenken bei der Bewirtschaftung des Waldes und den zu erwartendenen Erträgen.


Mit dem Revierleiter Ulrich Metzger konnten die Stadtratsmitglieder im Anschluss einen Eindruck gewinnen, wie ein Waldumbau nach zufälligen Ereignissen, wie Borkenkäfer, Sturm oder Trockenheit vorgenommen wird. Bei der Jungdurchforstung eines nach dem Stürmen Vivian und Wiebke 1990 mit Laubholz wiederaufgeforsteten ehemaligen Fichtenbestandes, wurden die aussichtsreichsten Bäume, sogenannte Zukunftsbäume von Bedrängern im Umfeld befreit, die sich negativ auf das Wachstum dieses Baumes auswirken könnten. Direkt nach der Auszeichnung der Bäume schritten die Forstwirte auch gleich zu Tat und fällten fachgerecht einige markierten Bäume. Forstreferentin Petra Ruffing bedankte sich beim Forstamtsleiter und ganz besonders bei seinen Mitarbeiterinen und Mitarbeitern für die Vorbereitung und Durchführung des informativen Waldbeganges im Namen der anwesenden Stadrtäte, die trotz fehlendem Sonnenschein und gelegentlichen Regentropfen den Ausführungen interessiert folgten.