Landsbergs Altstadtviertel
Von Hexen, Landsberger Leinen und falschen Nonnen
Landsbergs Altstadt lässt sich bequem zu Fuß erkunden. Verwinkelte Gässchen und mittelalterlicher Charme prägen das Flair der Stadt.
Vorderer und Hinteranger
Einkaufen mit Flair
Entlang der Anger reiht sich ein kleines Geschäft ans nächste – und das Beste: Hier bestimmen nicht große Ketten das Bild, sondern inhabergeführte Läden mit Persönlichkeit. Stöbern Sie durch Modeboutiquen, entdecken Sie ausgefallene Geschenkideen oder lassen Sie sich in den Fachgeschäften persönlich beraten. Jedes Geschäft hat seinen eigenen Charakter..

Genussmomente an jeder Ecke
Zum Einkaufen gehört eine Pause? Verschiedene kleine Cafés rund um die Anger verwöhnen Sie mit hausgemachten Kuchenspezialitäten, duftendem Kaffee und kleinen Gerichten.
Färberhof – schönster Innenhof der Stadt
Versäumen Sie nicht kurz vor dem Ende des Vorderen Anger einen kleinen Abstecher zum Färberhof zu unternehmen. Ein kleiner Weg führt vom Laden „Alpinsportzentrale“ auf den historischen Innenhof, in dem ein kleiner Brunnen an Landsbergs Geschichte als wichtiger Textilproduzent erinnert.
Die Landsberger Färber waren für einen ganz besonderen Stoff berühmt – das Landsberger blaue Barchent, ein Gemisch aus Baumwolle und Leinen. Als Schutz gegen Fälschungen trug es sogar das Stadtsiegel.
Dank des Lechs war Wasser zum Waschen und Färben reichlich vorhanden. Wenn Sie jetzt im Färberhof genau hinsehen, sehen Sie an den Wänden noch die Aufhängungen, an denen die Färber ihre Stoffe trockneten.

Das Sandauer Tor: Ein stiller Zeuge der Geschichte
Am Übergang zum Hinteranger erhebt sich das Sandauer Tor – eines der drei großen Stadttore Landsbergs. Der markante Torturm wurde im 15. Jahrhundert zum Schutze der Stadt erbaut und hatte einst nur einen Durchgang. Der zweite wurde erst in den 1940er Jahren eingefügt und der Turm erhielt sein heutiges Aussehen.

Hexenviertel und Alte Bergstraße
Hexenviertel – von Gerbern und Hexen
Sie alle besiedelten einst die gleiche Straße, wenn auch zu völlig unterschiedlichen Zeiten. Lag das ehemalige Gerberviertel einst vor den Stadtmauern, um den ehrenwerten Bürgern den Anblick und die Gerüche des Handwerks bei Möglichkeit zu ersparen, gehört das sogenannte Hexenviertel heute zu den malerischsten Ecken der Stadt.
Direkt hinter dem Schmalztor hat man die Wahl der Qual. Geradeaus gelangt man zur Alten Bergstraße. Wer sich etwas rechts hält, entdeckt im Hexen- oder Gerbervietel hingegen alte Handwerkshäuschen. An ihnen kann man noch heute die Holzvorbauten der Gerber bewundern, an denen die Felle zum Trocknen aufgehängt wurden.

Doch was hat es nun mit den Hexen auf sich? Wer an buckelige Märchenhexen denkt, liegt völlig falsch. Im Gegenteil. Der Überlieferung nach erhielt das Viertel seinen Namen von einer ansehnlichen rothaarigen Malerin auf München, die zu Beginn des 20. Jahrhundert hier zeitweise lebte. Sie führte eine Malschule und brachte auch sonst frischen Wind in die Stadt. Zahlreiche Künstlerinnen gingen bei ihr ein und aus. Sie trugen ihre Haare offen, Hosen anstatt Kleider und waren insgesamt deutlich emanzipierter als ihre Landsberger Zeitgenossinnen. Dem entsprechend kritisch waren diese und verpassten dem Stadtviertel kurzerhand den wenig charmanten Namen Hexenviertel.
Alte Bergstraße: Eine der schönsten Straßen der Stadt


Wer sich am Ende des Hexenviertel einen Kaffee gönnen möchte, kann dies gerne im charmanten Zirnheld tun. Frisch gestärkt ist der restliche Teil der Alten Bergstraße dann gleich nur noch halb so schwer.
Linksverkehr und offene Türen
Die Straße war mit ihren 18 Prozent Steigung berühmt-berüchtigt und lange Zeit die einzige Straße Deutschlands mit Linksverkehr. Um den gefährlichen Abstieg besser steuern zu können, gingen die Fuhrleute zu Fuß links von ihren Gespannen. Geriet eines der Fuhrwerke außer Kontrolle, flüchteten sie sich in eines der Häuser. Den Anwohnern war es daher bei Strafe verboten die Haustüren zu verschließen.
Die Alte Bergstraße verbindet die Unterstadt mit der Oberstadt und führt direkt zum Bayertor, dem Wahrzeichen der Stadt. Bereits im Mittelalter war sie eine wichtige Handelsroute und Teil der viel befahrenen Salzstraße.
Heutiges Flair
Heute hat sich die Straße ihren historischen Charme bewahrt. Die prunkvollen Ladenschilder erzählen von ihrer Geschichte. Gleichzeitig schlägt hier das kreative und künstlerische Herz der Stadt. Kleine Manufakturen, ausgefallene Läden und Ateliers laden zum Stöbern ein.
Von hier sind es auch nur noch ein paar Minuten bis zum Stadtmuseum, dass ab Juni 2026 mit einer völlig neuen Ausstellung zu Landsberg Geschichte aufwartet. Ein besonderer Schwerpunkt konzentriert sich auf Hitlers Festungshaft in Landsberg.


Unser Geheimtipp
Café Zirnheld
In der Alten Bergstraße 400 lädt das Café Zirnheld zur Verschnaufpause ein. Zwei junge Konditorinnen führen das Haus mit viel Herz und verwöhnen Sie mit hausgemachten Köstlichkeiten. Die Gäste schätzen insbesondere die romantische Atmosphäre, die gemütliche Terrasse und das exzellente Frühstück. Frisch gestärkt, steht dann einem weiteren Stadtbummel nichts mehr im Wege.
Öffnungszeiten
Mi-Fr 08.30 – 17.00 Uhr
Das Klösterl: Stille Einkehr am Stadtrand


Am südlichen Ende der Altstadt, direkt am Lech, liegt das Klösterl. Hier lebten im Mittelalter Beginen – fromme Frauen, die sich ohne festes Ordensgelübde zu einer religiösen Gemeinschaft zusammenschlossen. Sie pflegten Kranke, kümmerten sich um Durchreisende und lebten in einfacher Frömmigkeit. Hier sind die Häuser etwas kleiner und nur wenigehaben einen Hof oder Garten. Nutzen Sie die Zeit und streifen Sie durch die kleinen Gässchen.
Der angrenzende Nonnenturm war einst Teil der Stadtbefestigung und ragte sieben Stockwerke in die Höhe. Heute ist er zu einem Wohnhaus umgebaut, behielt aber seinen historischen Charakter.
Direkt hinter dem Klösterl beginnt der weitläufige Lechpark. Hier treffen Stadtgeschichte und Natur aufeinander – perfekt für einen ruhigen
