Lechwehr
Stadt am Fluss

Der Fluss Lech war über Jahrhunderte die Lebensader der Stadt Landsberg am Lech. Sein rauschendes Wasser und seine Kraft haben das Leben am Fluss bestimmt .
Wenn Sie heute über die Karolinenbrücke gehen, sehen Sie ein Bauwerk, das diese Verbindung von Mensch und Fluss besonders verdeutlicht: das Landsberger Lechwehr. Seit dem 14. Jahrhundert zähmt es den Wildfluss und macht ihn nutzbar. Es ist ein Denkmal der Industriegeschichte und mit Abstand das beliebteste Fotomotiv von Landsberg.
Einfluss auf die Stadtentwicklung
Die Kelten, die einst in dieser Region lebten, nannten den Fluss "Licca" – der Raschfließende. Und das war er wirklich. Bevor der Mensch in seinen Lauf eingriff, war der Lech ein ungestümer alpiner Wildfluss, der sich immer wieder neue Wege suchte und eine breite, artenreiche Auenlandschaft formte.
Für die Stadtgründer war dieser wilde Fluss Fluch und Segen zugleich:
- Die Gefahr: Immer wieder suchten verheerende Hochwasser die junge Siedlung heim. Der Fluss bedrohte Häuser und Leben.
- Der Segen: Der Lech bot Schutz durch seine natürliche Lage, diente als überregionaler Handelsweg und lieferte in vorindustrieller Zeit die lebensnotwendige Energie.
Zwischen den Steilhängen und den Kiesbänken des Flusses eingezwängt, entstand so die unverwechselbare Silhouette der Landsberger Altstadt.

Das Lechwehr
Um den Fluss zu zähmen und die Wasserkraft für sich zu nutzen, wagten die Landsberger ein kühnes Projekt. Ab 1364 bauten sie ein erstes Lechwehr. Sie stauten den Fluss auf und leiteten das Wasser in einen künstlich angelegten Kanal – den Mühlbach. Dieser trieb fortan Mühlen und Sägen an und sicherte zudem die Wasserversorgung der Stadt.
Zur Sicherung des Floßverkehrs baute man kurzerhand eine Umgehung des Wehrs. Die sogenannte Lange Fahrt oder Floßgasse ermöglichte es den Flößern das Wehr zu umfahren. Doch es blieb ein gefährliches Unterfangen und so mancher Flößer stürzte mitsamt seiner Fracht in die Fluten des Lechs. Auch war die abenteuerliche Fahrt keineswegs umsonst. Für jedes Floß mussten 3 Pfennige in die Stadtkasse gezahlt werden.
Das ursprünglich Wehr wurde über die Jahrhunderte immer wieder durch Hochwasser beschädigt. Ab dem 18. Jahrhundert baute man weitere Stufen ein. Seine heutige vierstufige Form erhielt das Wehr beim letzten großen Umbau von 1993 bis 1996.


Flößerei: Der Lech als Highway
Der Flößerpfennig war im Laufe der Geschichte ein äußerst einträgliches Geschäft für die Stadtväter. Bis zu 4.000 Flöße pro Jahr wurden selbst im 19. Jahrhundert noch auf dem Lech gezählt. Sie transportierten Handelswaren aller Art aus dem Alpenraum flussabwärts:
- Holz und Baumaterialien für die wachsenden Städte
- Lebensmittel wie Wein, Käse und Schlachtvieh
- Alltagsgüter wie Pelze und Wetzsteine
Viele dieser Transporte führten über die Donau sogar bis ans Schwarze Meer. Die Flößerei war ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Erst der Ausbau der Eisenbahn zwischen 1900 und 1910 bereitete dieser Tradition ein Ende.


Leben am Fluss heute: Vom Nutzwasser zum Lebensraum
Der Einfluss des Lechs auf die Landsberger ist heute ein anderer, aber nicht weniger bedeutend. Der Fluss ist vom reinen Nutzobjekt zum vielseitig genutzten Lebensraum geworden – für Mensch und Natur.


Erholung pur: Der Lechpark Pössinger Au
Direkt oberhalb des Wehres erstreckt sich der Lechpark Pössinger Au. Der Park ist ein beliebtes Naherholungsgebiet, u.a. mit:
- Einem Wasserspielplatz für Kinder
- Einem Kneippbecken zur Abkühlung
- Zahlreichen Liegewiesen zum Picknicken
- Der Gastronomie Teufelsküche mit Blick auf den Fluss
Das Inselbad
Viele Städte haben ein Freibad. Aber wie viele haben dazu einen eigenen Strand mitten in der Stadt? Über das Inselbad erreicht man den Lechstrand. Auf den Kiesbänken entspannt Sonne tanken, ein kühles Bad im Fluss genießen...- so geht Sommer in der Stadt.
La Dolce vita am Lech
Die Cafés und Restaurants oberhalb des rauschenden Lechwehrs zählen längst zu den beliebtesten Aufenthaltsorten in der Stadt. Schon beim ersten Sonnenschein im Frühling genießt man ein Eis am Flößerplatz, einen Spritz mit Freunden an der Lechpromenade Peter-Dörfler-Weg oder trifft sich im Biergarten am Lech. Wo könnte man besser die Seele baumeln lassen?



