Die Heilig-Geist-Spital-Stiftung Landsberg am Lech

Der bayerische Herzog Ludwig V., der Brandenburger, genehmigte dem Rat und den Bürgern der Stadt Landsberg am 13. September 1349 das Seelhaus zu einem Spital auszubauen, in dem pflegebedürftige, alte und verarmte Bürger untergebracht und versorgt wurden. Die Stadt lieferte das Fundationsvermögen der Stiftung, das durch zahlreiche Zustiftungen Dritter und erfolgreiche Grundstücks- und Vermögenswirtschaft kontinuierlich wuchs.

Die Einkünfte aus Grundvermögen, Ökonomie und Geldkapital dienten gemäß Stiftungszweck dem Spitalbetrieb. Das Spital stand von Anfang an unter städtischer Leitung, zwei Spitalpfleger aus der Mitte des Stadtrates verwalteten das Vermögen.

Noch um die Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden entlang der Schlossergasse der Spitalneubau, das Ökonomiegebäude und eine Kapelle zum Heiligen Geist. Eine Designation vom 23. August 1687 besagt, dass das Spital für alte und verarmte Bürgersleute gegründet worden war, welche mit eigener Handarbeit ihre Nahrung aus Altersgründen oder "leibszustandshalber" nicht mehr verdienen konnten. Wer sich mit einem ansehnlichen Betrag als Pfründner oder Pfründnerin in das Spital einkaufen konnte, bekam reichere Kost und eine bessere Stube mit Bedienung. Außerdem wurden bedürftige Arme und bis 1970 Waisenkinder im Spital versorgt.

Der Vertrag zwischen der Stadt Landsberg und dem Orden der Barmherzigen Schwestern mit Wirkung ab 1. April 1849 nennt als Zweck der Heilig-Geist-Spital-Stiftung die "Abnährung alter, gebrechlicher Bürgersleute". Die Schwestern hatten im Spital "die Verköstigung, Verpflegung und Beaufsichtigung" der Bewohner und der Waisenkinder zu bewerkstelligen, sowie die zum Spital "besonders angewiesenen Armen" mit Speisen zu versorgen. Die Barmherzigen Schwestern leiteten die Einrichtung bis 1994.

Nach einem verheerenden Brand im Jahre 1874 zog das Spital drei Jahre später in das ehemalige Jesuitenkolleg im Osten der Stadt, die neuen Ökonomiegebäude für das Spitalgut mit Dampfsäge entstanden an der Epfenhauser Straße.

Im Jahr 1942 löste der nationalsozialistische Stadtrat die rechtsfähige Stiftung auf. Seit der Nachkriegszeit verwaltet die Stadt Landsberg am Lech die Heilig-Geist-Spital-Stiftung als nicht rechtsfähige (fiduziarische) Stiftung. Im Jahr 1971 zog das Spitalgut nach Pössing. Den Spitalwald bewirtschaftet das städtische Referat für Forsten. Zum 1. April 2016 hat die Trägerschaft des Heilig-Geist-Spitals von der Stadt Landsberg am Lech auf die Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH gewechselt. Die bisherigen Räumlichkeiten des Heilig-Geist-Spitals werden eine neue Nutzung bekommen.

Die Heilig-Geist-Spital-Stiftung war bis zu ihrer Auflösung durch den nationalsozialistischen Ersten Bürgermeister im Jahr 1942 eine rechtlich selbständige Stiftung. Nach Einschätzung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern (2017) war diese Auflösung rechtswidrig, jedoch "nicht nichtig". Der Landsberger Stadtrat beschloss im Jahr 1946, die Auflösung der Stiftung rückgängig zu machen und die Stiftung wieder in ihrer bisherigen Form als rechtsfähige Stiftung zu führen. Das Landratsamt genehmigte diesen Beschluss staatsaufsichtlich und bezeichnete die Auflösung von 1942 im Gegensatz zum heutigen Staatsministerium als nichtig. Jedenfalls gilt heute die Auffassung, dass die Stiftung formell neu errichtet werden muss, wenn sie als rechtlich selbständige Stiftung gelten soll.

Am 28. November 2018 beschloss der Stadtrat, die ersten Schritte für die Neugründung der rechtlich selbständigen Heilig-Geist-Spital-Stiftung zu unternehmen. Es soll eine verbindliche Auskunft vom Finanzamt eingeholt werden, ob für die Übertragung des Vermögens Grunderwerbssteuer in Höhe von etwa 1,3 Millionen Euro fällig werden würde.

Der Wert des Spitalbesitzes in Form von Wald, landwirtschaftlichen Flächen und Wohnimmobilien beträgt rund 40 Millionen Euro.