Lechwehr

Jetzt gibt die Jugend den Ton an

Vor fünf Jahren, im Juli 2021, wurde im Rathausfoyer die Ausstellung „Liberation Concert: Menschlichkeit. Würde. Hoffnung.“ eröffnet. Seither hat sich die interkulturelle Wissens- und Erinnerungsinitiative zu einem internationalen Jugendprojekt entwickelt, das Mitstreiter bis nach Amerika und Israel gewonnen hat. Dazu zählt das Museum des Ghetto Fighters' House im Norden Israels, mit dem Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl vor zwei Jahren eine Kooperationsvereinbarung zu gemeinsamer wissenschaftlicher Arbeit und zum Jugendaustausch unterzeichnete.

Ausgangspunkt des von der Journalistin Karla Schönebeck initiierten Projekts ist ein Orchester überlebender Musikerinnen und Musiker des Holocaust. 1944 waren sie von Litauen nach Landsberg und Kaufering deportiert worden, um für die nationalsozialistische Rüstungsindustrie Zwangsarbeit zu leisten. Nach ihrer Befreiung gaben sie als jüdisches DP-Orchester am 27. Mai 1945 ihr erstes Konzert auf dem Gelände der Erzabtei St. Ottilien und später Hunderte weitere Konzerte für Zehntausende Überlebende. Ihre Botschaft: „Hier sind wir. Das ist unser Schicksal. Das ist unsere Musik!"

Dieses Vermächtnis haben Landsberger Jugendliche seit 2021 mit eigenen Konzerten, Workshops, Diskussionsrunden und Filmvorführungen fortgeführt, allen voran die städtische Sing- und Musikschule Landsberg und die Schülerinnen und Schüler des Ignaz-Kögler-Gymnasiums. Was sie erreicht haben, davon kann sich bis zum 30. August 2026 eine breitere Öffentlichkeit selbst ein Bild machen.

Altoberbürgermeister Franz-Xaver Rößle, dessen Enkelin Felicitas als Cellistin bei zahlreichen Liberation Concerts mit dabei war, ließ es sich nicht nehmen, mit Angelika Zimfer die Jubiläumsausstellung „5 Jahre Liberation Concert“ zu eröffnen. Die ehemalige IKG-Schülerin war maßgeblich an den nachfolgenden Recherchen zum DP-Lager Landsberg beteiligt. Im Rahmen eines Workshops hatte sie mit Karla Schönebeck 2022 einen bis dahin unbekannten Kinder- und Jugendkibbuz entdeckt, den in Landsberg bereits im Sommer 1945 gegründeten Kibbuz Lohamei Hagetaot. Aus ihm sollte 1949 in Israel unter anderem das älteste Holocaustmuseum der Welt hervorgehen.

In seiner Ansprache ermunterte Franz-Xaver Rößle die Jugendlichen, sich weiterhin für die Erinnerungskultur aktiv einzusetzen: „Auf Euch ruht generationenübergreifend unsere Hoffnung auf Freiheit, auf Demokratie, auf Menschlichkeit und Würde. Als ehemaliges Stadtoberhaupt habe ich selbst miterlebt, wie wichtig es ist, dass sich gerade junge Menschen hierfür einsetzen.“ Rößle, der viele Überlebende noch persönlich kannte, erinnerte auch daran, wie schwer sich die Stadt lange Zeit mit ihrer eigenen Vergangenheit getan habe. Das sei heute zum Glück kein Thema mehr.

Die Jubiläumsausstellung ist noch bis 30. August 2026 täglich von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr in der Galerie im Historischen Rathaus der Stadt Landsberg am Lech zu sehen. Jeden Samstag um 13:00 Uhr bietet Karla Schönebeck zudem kostenlose Führungen an. Vertiefende Informationen zum Nationalsozialismus und zur Landsberger Stadtgeschichte gibt es ab sofort auch im wiedereröffneten Stadtmuseum.