LebensRAUM anpassen
Wie kann der historische Ortskern von Erpfting lebendig bleiben und sich gleichzeitig an die Bedürfnisse einer modernen Dorfgemeinschaft anpassen? Dieser Frage widmete sich der öffentliche Workshop der Stadt Landsberg am Lech Ende Oktober. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger kamen in der Grundschule Erpfting zusammen, um Impulse, Fachwissen und erste Vorschläge für die weitere Ortsentwicklung zu erhalten.
Humanbiologin Monika Feldmer-Metzger stellte in ihrem Hauptvortrag heraus, dass soziale und ökologische Aspekte in der Ortsentwicklung gleichwertig berücksichtigt werden müssen. Angesichts steigender Baukosten, Klimaziele und gesellschaftlicher Veränderungen brauche es neue Wege im Umgang mit Gebäuden und Flächen.
„Umbauen statt neu bauen“ laute das Gebot der Stunde. Durch Aufstockungen, Um- und Ausbauten könnten jedes Jahr zahlreiche neue Wohnungen entstehen – ressourcenschonend und ortsverträglich. Dabei gehe es nicht nur um Flächengewinn, sondern um flexible Grundrisse, multifunktionale Räume und Wohnkonzepte, die alle Altersklassen ansprechen. Selbst die Position einer Treppe könne entscheidend sein, ob sich ein Haus später in kleinere Wohneinheiten teilen lässt. „Das Einfamilienhaus muss neu gedacht werden“, so Feldmer-Metzger.
Ein weiterer Schwerpunkt ihres Vortrags war die gemeinwohlorientierte Vergabe von Grundstücken. Bauland solle nicht allein nach dem höchsten Preis vergeben werden, sondern nach Konzeptqualität und sozialem Mehrwert.
Erfolgreiche „Patentrezepte“ für lebendige Orte seien:
1. Teilen und Vernetzen,
2. Baugemeinschaften fördern,
3. Gemeinschaftliche Ziele unterstützen und Räume schaffen, die für alle funktionieren.
„Einsamkeit ist längst ein gesellschaftliches Problem mit Folgen für die Gesundheit – sie wirkt wie 15 Zigaretten am Tag“, erinnerte Feldmer-Metzger. Inspirierende Wohnprojekte und gemeinschaftlich genutzte Flächen könnten dieser Entwicklung aktiv entgegenwirken.
Unterstützung erhalten Eigentümerinnen und Eigentümer nun auch durch die Sanierungsarchitektin Caroline Willy aus Dießen, die zahlreiche Denkmäler in der Landsberger Altstadt saniert hat und für ihr Engagement die Bayerische Denkmalschutzmedaille erhielt.
Sie bietet künftig eine kostenlose Erstberatung für Sanierungen und Umnutzungen im Bestand an.
Gemeinsam mit den Erpftingerinnen und Erpftingern erarbeitet sie zudem eine Gestaltungsfibel, die gute Beispiele sammelt und zeigt, wie historische Gebäude zeitgemäß und respektvoll weiterentwickelt werden können.
Das Projekt wird im Rahmen der Städtebauförderung der Regierung von Oberbayern unterstützt. Voraussetzung für die Förderung war der erfolgreiche Abschluss der vorbereitenden Untersuchungen sowie die förmliche Festlegung eines Sanierungsgebiets.
Damit kann die Stadt gezielt Maßnahmen zur Belebung, Erhaltung und Aufwertung des historischen Ortskerns umsetzen – von der Gebäudesanierung bis zur Verbesserung öffentlicher Räume.
Im Anschluss an die architektonische Beratung erläuterte Harald Baur vom Finanzamt Landsberg die Möglichkeiten steuerlicher Sonderabschreibungen im Denkmalschutz und im Sanierungsgebiet. Wichtig ist dabei, dass vor Beginn von Baumaßnahmen eine entsprechende Steuerbescheinigung über die städtische Bauberatung eingeholt wird.
Für eine steuerliche Absetzbarkeit von Sanierungs- bzw. Modernisierungsmaßnahmen ist dabei die Ausstellung einer Steuerbescheinigung nötig, die frühzeitig vor Auftragsvergabe von Bauleistungen über die Bauberatung der Stadt Landsberg am Lech erhältlich ist: https://www.landsberg.de/rathaus/bauen-wohnen/bauen/bauberatung/
Weitere Informationen sowie die Präsentationen der Vorträge:
https://www.landsberg.de/rathaus/bauen-wohnen/stadtentwicklung/dorfentwicklung/vorbereitende-untersuchungen-erpfting/
Die Veranstaltung zeigte deutlich: Ortsentwicklung bedeutet heute mehr als das Ausweisen neuer Baugebiete. Sie braucht soziale Verantwortung, ökologische Weitsicht und Mut zu neuen gemeinschaftlichen Wegen.
Mit der neuen Sanierungsberatung bietet die Stadt Landsberg am Lech ein wichtiges Unterstützungsangebot für Eigentümerinnen und Eigentümer im Sanierungsgebiet – kostenfrei und frühzeitig ansetzbar.
Zum Abschluss fasste Feldmer-Metzger zusammen: „Wenn wir Orte schaffen wollen, die für alle funktionieren, müssen wir das Teilen neu lernen – Räume, Verantwortung und Ideen.“

