Lechwehr

„Wege nach Landsberg“ – Stadtmuseum feiert Wiedereröffnung

Sechs Jahre lang wurde das denkmalgeschützte Gebäude des Stadtmuseums saniert und die Ausstellung inhaltlich neu konzipiert. Nun ist es so weit: Unter dem Titel „Wege nach Landsberg“ präsentiert das Museum seine neue Dauerausstellung, die auf 700 Quadratmetern die wichtigsten Kapitel der Stadtgeschichte zeigt, die Landsberg und seine Menschen prägten.

Gefeiert wurde die Wiedereröffnung mit zwei Veranstaltungen. Am Freitag, dem 3. Juli, begrüßte Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl die Gäste. Für den wissenschaftlichen Beirat sprach Abraham Peck von der University of Southern Maine ein Grußwort, ehe Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Staatsminister a. D., die Festrede zur Frage hielt, was eine wehrhafte Demokratie ausmacht. Museumsleiterin Sonia Schätz führte in die neue Dauerausstellung ein, für das musikalische Rahmenprogramm sorgten Valentin Lutter am Violoncello und Fabian Jüngling an der Violine. Beim zweiten Teil der Eröffnungsfeier am Sonntag, dem 5. Juli, sprach nach der Begrüßung durch Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl Dr. Christoph Kreutzmüller, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats und Vorsitzender des Vereins Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin, über „Stadtmuseen als Träger der Erinnerungsarbeit“. Die Gäste zeigten sich beim anschließenden Rundgang beeindruckt von der neuen Ausstellung.

Im Zuge der Sanierung und Neugestaltung wurde neben den Ausstellungsflächen auch der Eingangsbereich des Stadtmuseums modernisiert. Besucherinnen und Besucher erwartet künftig ein Museumsshop mit angrenzendem Forum, Sitzgelegenheiten sowie einem Angebot an Kaffee und Getränken. Der neu geschaffene Außenbereich lädt darüber hinaus zum Verweilen und Genießen ein und ist als lebendige Begegnungszone konzipiert.

Ein Stockwerk des Museums widmet sich dem Wandel der Stadt: Die Stadtentwicklung von den Anfängen auf dem Schlossberg bis in die Gegenwart lässt sich in sieben Kapiteln auf einem dreidimensionalen Stadtmodell erkunden. Die Ausstellung erzählt, wie der Salzhandel zur Stadtgründung führte, und erklärt die Bedeutung des Jesuitenordens, dessen Noviziat mehrere Hundert Jahre lang internationale Strahlkraft besaß. Ein eigener Raum ist dem Lech gewidmet, den die Stadt im Namen trägt und dessen Kaskaden am Lechwehr die Schönheit der Altstadt prägen. Ein Fluss-Tastmodell lädt dazu ein, seinen Lauf mit den Händen zu erkunden. Auf einem inszenierten Marktplatz berichten Bürgerinnen, Bürger und Vereine von ihren Perspektiven auf Landsberg, und die Lechrainer Mundart lässt sich in einem Quiz anhören. „Bekanntermaßen erzählen Stadtmuseen alle an ihrem jeweiligen Ort, was sie dort am besten erzählen können“, so Museumsleiterin Sonia Schätz.

Das zweite Stockwerk stellt die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt, in der Landsberg zum Schauplatz historischer Ereignisse von europäischer Dimension wurde. Ein Kurzfilm beleuchtet Hitlers sogenannte „Festungshaft“, während der er 1924 den ersten Teil seiner Hetzschrift „Mein Kampf“ verfasste; ein großer Bücherstapel verdeutlicht deren Verbreitung von zwölf Millionen Exemplaren bis Kriegsende. In Landsberg nahm der Hitler-Mythos seinen Anfang und führte 1937 zur Verleihung des NS-Titels „Stadt der Jugend“. Der Raum „Volksgemeinschaft ist Ausgrenzung“ zeigt an lokalen Beispielen, wie ganze Bevölkerungsgruppen im Nationalsozialismus ausgegrenzt und verfolgt wurden – und beleuchtet auch die Seite der Täter. Erschütternd ist der Raum „Ausweglos“ zu den elf Außenlagern des KZ Dachau, die im letzten Kriegsjahr in Landsberg entstanden: 21.760 Namen der 23.500 überwiegend jüdischen Häftlinge füllen dort drei Wände.

Die Nachkriegszeit verbindet den Namen der Stadt zugleich mit der Hoffnung auf einen demokratischen Neuanfang: In Landsberg entstand eines der bedeutenden Auffanglager für Überlebende des Holocaust, während zeitgleich verurteilte NS-Kriegsverbrecher ihre Strafen im War Criminal Prison No. 1 verbüßten – ein Spannungsverhältnis, das inszenatorisch durch einen quer in den Raum gestellten Container verdeutlicht wird, in den die Geschichte des DP-Lagers erkundet werden kann.

Erstmals dokumentiert die Ausstellung zudem eine Chronologie der späten Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Landsberg, darunter die Kundgebung vom 7. Januar 1951, bei der sich die Bevölkerung auf dem Hauptplatz mit den NS-Kriegsverbrechern solidarisierte. Graue Filzwürfel, die aus Wänden und Decken wachsen, stehen in der Szenographie als Metapher dafür, wie der Nationalsozialismus weite Teile der Gesellschaft erfasste, und dass rechtsextremes Gedankengut auch heute den demokratischen Zusammenhalt herausfordern kann.

„Vergangenheit wiederholt sich vielleicht nicht“, sagt Sonia Schätz, „aber die Gründe für Verfolgung wiederholen sich in der Geschichte sehr wohl.“ Die Ausstellung will zum Nachdenken über menschliches Handeln und demokratische Werte anregen und versteht sich als Beitrag zur politischen Bildung. Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl dankte den Fördergebern, insbesondere dem Bund: Vor dem Hintergrund der besonderen historischen Bedeutung Landsbergs im 20. Jahrhundert entstehe hier „ein Ort, der das Bewusstsein für Demokratie und Freiheit nachhaltig stärkt“.

Beim Stadtfest am 5. Juli öffnete das Stadtmuseum von 14 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt für einen ersten Blick auf die künftige Dauerausstellung. Ab dem 25. Juli ist das Haus wieder regulär geöffnet: von Mittwoch bis Sonntag sowie an Feiertagen jeweils von 10 bis 18 Uhr.